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Who is speaking? Sprechen. Stimme. Autorität / FAIR FOR ART

Nancy Spero - Lilo Nein - Marko Zink

FAIR FOR ART VIENNA
7.-11. Oktober 2026

Kunstmesse im
Künstlerhaus, Wien

 

Wer spricht – und unter welchen Bedingungen wird eine Stimme gehört, ein Bild geglaubt und Sprache wirksam? Die Ausstellung Who is speaking? versammelt drei künstlerische Positionen, die sich mit dem Verhältnis von Sprache, Körper, Bild und Autorität auseinandersetzen. Nancy Spero, Lilo Nein und Marko Zink verbindet dabei keine gemeinsame Ästhetik, sondern eine gemeinsame Frage: Wie entsteht Autorität und wie lässt sie sich infrage stellen?

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Nancy Spero entwickelt Sprache als politische Bildsprache. In Explicit, Licit Exp und Thou Shalt Not Kill treffen Schrift, Körper und Zeichen aufeinander. Sprache benennt hier nicht nur, sondern handelt: Sie macht Gewalt, Unterdrückung und gesellschaftliche Machtverhältnisse sichtbar und wird zugleich zum Medium des Widerstands. Wörter und Zeichen erscheinen als Teil einer körperlichen, feministischen und politischen Bildsprache, in der sich die Möglichkeit des Widerspruchs gegen bestehende Machtverhältnisse eröffnet.

Bei Lilo Nein verschiebt sich die Frage auf die Position der sprechenden Person selbst: Wer spricht? Die Persona Lilo Nein ist Teil der künstlerischen Arbeit als Rolle, Stimme und Gegenüber. In Der Versprecher und Paradoxie der Sprache werden Sprache, Körper und Gefühl zu offenen, beweglichen Formen. Die Grenze zwischen persönlicher Äußerung und künstlerischer Setzung bleibt bewusst unscharf. Die Stimme erscheint nicht als Ausdruck eines stabilen Subjekts, sondern als etwas, das sich im Sprechen verändert. Damit wird auch Autorität fragil: Die sprechende Person spricht nie aus einer vollkommen festen Position heraus.

Bei Marko Zink zeigt sich die Frage nach Stimme und Autorität über das fotografische Medium selbst. In der Unterwasserserie alles was sie sagen inszeniert er Porträts von Oscar Wilde und Sylvia Plath im Meer fotografiert und er verbindet Text, Inszenierung und analoge Fotografie. Indem Zink den analogen Film vor der Aufnahme kocht und gezielt in das fotografische Material eingreift, wird die Verletzung des Mediums selbst Teil der Arbeit. Das Bild entsteht nicht als neutrales Abbild und stellt damit auch die Autorität des fotografischen Bildes infrage.

In der Serie tragödien verschmelzen menschliche und tierische Elemente zu Zwischenwesen, die sich einer eindeutigen Identität entziehen. Ausgangspunkt ist Friedrich Dürrenmatts 21 Punkte zu den Physikern und insbesondere dessen Gedanke, dass eine Geschichte durch den Zufall ihre schlimmstmögliche Wendung nehmen muss. Zink überträgt diese Logik in seine analogen Bildarbeiten. Für die Serie hat Elfriede Jelinek ein Essay für Marko Zink geschrieben. Sprache wird hier zur Stimme aus einem Zwischenraum zwischen Menschen und Tier, Bild und Text und dem, was sich nicht unmittelbar sagen lässt.

Who is speaking? fragt damit weniger nach einer eindeutigen Stimme als nach den Bedingungen ihrer Wirksamkeit: Wie werden Sprache und Bilder zu Trägern von Autorität – und wo beginnt diese Autorität zu brüchig zu werden?

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