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Tomislav / Tom Gotovac (aka Antonio Lauer) war ein kroatischer Regisseurs, Konzept- und Performancekünstlers. 2011 wurde sein Oeuvre Croatian im kroatischen Pavillion bei der 54. Biennale in Venedig gezeigt.
2017 wurden zwei Arbeiten für die documenta 14 in Athen und Kassel ausgewählt.

Gotovac begann in den späten 1950er Jahren mit ersten fotografischen Arbeiten, um ab Anfang der 1960er Jahre auch Collagen, Performances und Filme zu produzieren. Ausgangspunkt seiner künstlerischen Arbeiten war immer das Aufdecken alltäglicher Lebensumstände, politischer Manipulationen sowie die Neuinterpretation historischer bzw. politischer Fakten. Das Zusammenspiel von Leben und Kunst spielt im Werk von Tomislav Gotovac eine bedeutende Rolle. Er arbeitete immer mit seinem Körper und stellte sich selbst in den Mittelpunkt. Seine Aktionen waren meist alltägliche Handlungen, wie z.B. bei Breathing the Air (1962). Diese Performance-Aktionen wurden von ihm in den öffentlichen Raum gestellt, wodurch der gewohnte Alltag in ein neues Blickfeld gerückt und der Zugang zu anderen Perspektiven gewährt wurde. Zitate von anderen Künstlern und Hommagen an diese wie z.B. an Glenn Miller, Duke Ellington, Billie Holiday, Jacques Prévert oder Jean-Luc Godard bilden einen wichtigen Bestandteil seiner Kunst. Seine Filme, die bereits in den frühen Sechzigerjahren sozialkritische Themen behandelten, erhalten durch die Verwendung von Umgangssprache eine bisher unbekannte Radikalität. 1967 veranstaltete er das erste Happening in Jugoslawien und verarbeitete Fotoserien in Filmstrecken, die Dokumente seiner Performances sind.

Gotovac erzählte, dass die Erkenntnis, sein eigener Körper könne zum Kunstmaterial werden, seine Arbeit entscheidend beeinflusst habe. Sein halb entblößter Körper, wie er noch in seinen Frühwerken zu sehen war, wurde bald komplett entkleidet. Auch wandte er sich ab von unberührt natürlicher Umgebung und hin zum eigentlichen Herzen der Stadt, wobei er ganz offen die Wächter der Sitten und "wahren Werte" provozierte. Bei seinem Auftritt vor Gericht (Gotovac schaffte es mit seinen Aktionen bis hinauf zum Obersten Gerichtshof!), verteidigte er nicht weniger als das Recht auf individuelle Freiheit, äußerte sich kritisch zu seiner konservativen Umgebung und verglich sich mit einem Rhinozeros, einem wilden Tier, das den Jägern in Howard Harks Film Hatari! Stand hielt. Gelegentlich tauschte er das offene, urbane Umfeld auch gegen eine Galerie: Im Rahmen der Aktion Speak quietly, but always hold a stick by your leg stellte der Künstler einen Exhibitionisten in einer Galerie dar.

Traurigerweise ist Gotovac 2010 gestorben, doch sein Geist leben in seinen Filmen und in seinen Performance-Dokumenten weiter.

 

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