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25.06-27.06.2021

Vorschau & Vernissage 24.06

Marx Halle, Karl-Farkas-Gasse 19, 1030 Wien

Stand G1

SPARK Art Fair

Am Stand der galerie michaela stock beschäftigt sich der kroatische New-Media-Künstler Sandro Đukić mit den sich verändernden Beziehungen von Medien wie Fotografie und Video, aber auch mit computergesteuerten Mechanismen wie Speicherung, Dokumentation und Datenspeicherung von Realitäten. Der Künstler nutzt die Recherche in und von Archiven und deren multimediale Präsentation.
Sprache als Ideologie ist eine multimediale Arbeit - die Installation umfasst das durch Computer-algorithmus generierte digitale Archiv zur Geschichte des Bergbaus, das Video Daydream und eine großformatige Fotografie aus der Eisenfabrik Sisak -, die sich mit dem Thema Zeit, d.h. mit der Dauer und der Vergänglichkeit sozio-historischer Phänomene beschäftigt.
Die Installation arch_0001_276 / GAME OVER - wish to reconsider reality? aus dem Jahr 2021 basiert auf einer 10-jährigen Forschung über das Erbe der Arbeiter und Bergleute aus der Stadt Labin in Istrien. Als Teil des Langzeitprojekts leitete Sandro Đukić die Digitalisierung von Dokumenten und Periodika vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis heute. Schließlich wurden über 9000 Seiten mit OCR-Software bearbeitet und der Text in sechs Gruppen aufgeteilt: von der frühen Periode 1900 bis 1920, der telegrafischen Korrespondenz zwischen dem Büro der Bergleute in Labin und der Zentrale in Wien - dem Unternehmen, das die Streikpausen verwaltet, dem aufkommenden Optimismus nach dem Zweiten Weltkrieg und der Verherrlichung der Produktivität bis zum Zusammenbruch des Sozialismus, bis zur Übergangsperiode der heutigen Zeit. Der gesamte Text wurde einem "Text Mining" unterzogen, einem Verfahren zur Textanalyse, welches auf der Theorie von Noam Chomsky basiert, und es wurde ein Lexikon / Wörterbuch für jede Periode erstellt. Mit Hilfe dieses Wörterbuchs, das von einem Computeralgorithmus erstellt wurde, wurde der Text produziert. Trotz des manchmal seltsamen Aufbaus kann man mit Leichtigkeit sowohl die Periode als auch die Wirtschaft, die Kultur als auch die Sprache als Werkzeug der Ideologie der jeweiligen Zeit erkennen. Der gesamte Text, über 6000 Sätze, wurde schließlich zum Inhalt der Künstlerbücher und Drucke als Teil der Installation.
Die Eisenhüttenfabrik Sisak in Kroatien war ein ehemaliger Industriegigant und Stolz des sozialistischen Aufbaus und Fortschritts. Was heute von dem modernistischen Komplex übrig geblieben ist, nach etwa zwanzig Jahren des Übergangs, der Transformation und des Wechsels des technologischen und wirtschaftlichen Paradigmas, bezeugt deutlich die großformatige Fotografie von Sandro Đukić. Die Fotografie Eisenhütte Sisak (arch_022_143_8749) zeugt von der Nachlässigkeit der Gesellschaft gegenüber ihrem (in diesem Fall wertvollen industriellen) Erbe, sowie von der Nachlässigkeit gegenüber den Betroffenen, d.h. den Arbeitern, die einst mit ihrer Arbeit ein beträchtliches Einkommen erwirtschaftet hatten.
Das dritte Segment dieser Ausstellung ist die Videoarbeit Daydream, die sich durch ihre meditativ-kontemplative Aura auszeichnet. Sie vervollständigt die ausgestellten Einheiten und lädt dazu ein, sich zu entspannen und über die Welt, in der wir leben, nachzudenken, über die Werte und Unzulänglichkeiten der Vergangenheit und schließlich über unsere Zukunft, die wir nicht mehr mit billigem Konsum, sondern mit individueller geistiger Aufwertung gestalten müssen, die bisher die Welt beherrscht hat.


Sandro Đukić
Der kroatische New-Media-Künstler Sandro Đukić studierte bei den Videokunst-Pionieren Nam June Paik und Nan Hoover. Folglich sieht er sich selbst als virtuell-visuellen Künstler, der zu einer kritischen Interpretation des Raumes und des Beginns der Schaffung eines Kunstwerkes neigt. Als Künstler der Neuen Medien beschäftigt er sich nicht nur mit den sich verändernden Verhältnissen von Medien wie Fotografie und Video, sondern auch mit computergesteuerten Mechanismen wie Speicherung, Dokumentation und Datenspeicherung von Realität, die dem Prozess der Fotografie und der Offenlegung durch die Medien unterliegen. Er wechselt schnell zwischen den genannten Medien - von räumlichen, architektonischen und fotografischen Installationen bis hin zu konstruierten Filmen und schafft dabei mehrere Bedeutungsebenen, was den Raum betrifft. Seit 20 Jahren widmet er sich der Recherche in/aus Archiven und deren multimedialer Präsentation. Im Laufe des 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts hat die Globalisierung in Osteuropa zu weitreichenden Veränderungen geführt. Handel, Migration und neue, weltweit verfügbare Technologien haben den wirtschaftlichen Strukturwandel beschleunigt. Gleichzeitig sind große soziale Verwerfungen und Spannungen zu beobachten, die sich in drastischen demografischen Veränderungen manifestieren. Sandro Đukić analysiert diese sozioökonomischen Transformationen im globalen Kontext, wirft aber auch einen Blick auf die damit verbundenen und durch die Erinnerung ausgelösten ideologischen Veränderungen aus mehreren Perspektiven. Đukić interessiert sich vor allem für das Phänomen der Zeit und er versucht, ihrer Dauer und ihrem Kreislauf auf die Spur zu kommen. Er erforscht aber auch den Wandel des technologischen Paradigmas sowie die Deindustrialisierung. Aus dieser zeitlichen Distanz werden Transformationsprozesse und visueller Wandel sichtbar und entwickeln einen subjektiven Blick auf Erinnerungen. Die Erkundung und Reflexion systemischer Zusammenhänge, die Kontextualisierung der Forschungsergebnisse anhand seines Fotoarchivs sind Teil seiner künstlerischen Praxis, um differenzierte Perspektiven auf utopische Modernitätskomplexe und Möglichkeiten der Veränderung durch den Verlust des kollektiven Gedächtnisses als Auslöser für gesellschaftliche Konzepte aufzuzeigen.

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