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ANDREA DOMESLE | ES IST SO

Marko Zink steht in der Tradition der inszenierten Fotografie. Diese fällt eher erst im zweiten Blick auf, dadurch wirkt diese zurückhaltender und verläuft ganz gemäß des Ausstellungstitels „Es ist so": Marko Zink bedient sich der vorhandenen Wirklichkeit und imitiert diese, schafft quasi eine gedoppelte Realität, und erklärt damit, wie es weniger sein könnte als vielmehr eben ist. Das liegt daran, dass der Künstler den Beteiligten einen Handlungsraum belässt, der eigene Initiative ermöglicht. Paradox klingt, dass dies auch für die Gegenstände gilt. Marko Zink ermöglicht jedoch durch seine Settings, dass auch diese ein Eigenleben entfalten können.

Für seine erste Einzelausstellung September 2008 - in der Galerie Michaela Stock - werden die zwei Serien „Schwimmer" und „Wald Zwei" kombiniert. Beide sind analog entstanden und auch in den knappen und zutreffenden Einzeltiteln spiegelt sich erneut der Ausstellungstitel „Es ist so" wider.

Auf den ersten Blick scheinen beide Arbeiten - außer der Präsentation von Orten der Stille – wenig gemeinsam zu haben. Dies ist Absicht, allerdings vermeintliche. Die Ähnlichkeit tritt in der inhaltlichen Umkehrung der fotografierten Räume klar hervor. So reichert Marko Zink mit der Serie „Schwimmer" die Wasserwelt mit menschlichen Bezügen an, obwohl diese gerade dort nicht zu erwarten wären. Genau umgekehrt verhält es sich in der Serie „Wald Zwei" – mehr noch, der Wald scheint sich hier gegen jegliche Form einer Menschlichkeit zu wehren und zu sperren.

Auf jedem der elf analog hergestellten Farbfotografien der Serie „Schwimmer" ist ein anderes, bereits getragenes Kleidungsstück zu sehen, wie es unter Wasser schwebt - leicht, schwerelos und zeitlos. Diese Zeitlosigkeit ist durch die Einbettung im Wasser erreicht, denn der Stil und die Labels lassen gewisse Kleidungsstücke als derzeit in Warenhäusern erhältliche Massenware erkennen. Andere wiederum lassen keine Rückschlüsse auf ihre Herkunft zu, sehr wohl aber auf eine/ihre mögliche Geschichte. Was alle jedoch gemein haben sind ihre Charaktereigenschaften, die sie im Dahintreiben gewinnen. Die Dynamik des Wassers schafft sozusagen die Form der Kleider, die mal an einen Fisch, gar an einen Rochen, mal an eine Qualle, mal an eine Meerjungfrau erinnert. Die Kleider übernehmen somit animalische Wesenseigenschaften und verweisen damit aber auch auf eine Form von Menschlichkeit. Die Lichtreflexe am Grund und die sonnenerhellte Kühle des Wassers bilden eine Atmosphäre voller Wohlgefallen und Poesie.

Einen stark optischen Kontrast zur Serie „Schwimmer" stellt die Serie „Wald Zwei" dar. Marko Zink betont durch seine Aufnahmeweise – das Filmmaterial wurde zuvor haptisch bearbeitet – und den gewählten Bildausschnitt die strenge vertikale Reihung der Baumstämme und deren spröde Strukturen. Das Thema „Wald" hat er somit auf die Stumpfheit und Aggressivität der Baumrümpfe, die hier fast zu einer undurchdringlichen, harten Wand verschmelzen, reduziert - fern von Romantik und Einsamkeitsidylle. Humanität sucht man - trotz der Farbgebung - jedoch vergeblich.

Es ist so.

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