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Bettina Schulz | Panta Rhei (Auszug), In: NOVUM (world of graphic design 05/12), München (D), 2012

Es ist ein Wimpernschlag zwischen dem gelebten Moment und der Vergangenheit, ein Fließen vom Augenblick zum Dagewesenen. Irritierend und beklemmend, in den Sog der Neugier ziehend und dabei respektvoll Distanz wahrend: Marko Zink hält sie mit ruhigem Blick fest, die Metamorphosen und die Vergänglichkeit der Dinge.

Ein Fotograf der alten Schule ist wohl dieser Marko Zink, obgleich sein Geburtsjahr 1975 nicht als Untermauerung hierfür herhalten kann. Es ist vielmehr sein Selbstverständnis, als Fotograf an der Schnittstelle zwischen Kunst und Design zu agieren, sich nicht der Reizüberflutung ständig neuer technischer Entwicklungen hinzugeben, die noch mehr Pixel und noch schnellere Belichtungszeiten versprechen. Er fotografiert analog, nimmt sich Zeit, konzentriert sich auf seine ganz eigene Inszenierung. Er ist Fotograf. Und keiner, der dank digitaler Unendlichkeit tausende Aufnahmen ins Gedächtnis der Festplatten ablegt. Marko Zink »träumt seine Serien und Konzepte«, wie er selbst sagt, und diese sind nicht das, was man ebenso gut in den Archiven der Bildagenturen finden könnte.

Um die Arbeit von Marko Zink zu verstehen, muss man ein wenig in seinen Lebenslauf eintauchen: Er absolvierte ein Studium der Deutschen Philologie, Publizistik und Kommunikationswissenschaften an der Hauptuniversität Wien, wo er auch Film- und Fotovorlesungen der Kunstgeschichte besuchte. Anschließend führte es Zink an die Schule für künstlerische Fotografie, ehe er seine Lehrjahre an der Akademie der bildenden Künste Wien in der Meisterklasse für Kunst und Fotografie sowie in der Meisterklasse für erweitert malerischen Raum verkomplettierte. Auf diesem Weg kristallisiert sich auch heraus, dass die Fotografie lediglich ein Medium für Marko Zink ist. Sicherlich eines, das er meisterlich beherrscht, aber eben nur als Transportmittel für seine künstlerische Botschaft nutzt. »Ich mag das Spielerische, das Konzeptuelle, neue Richtungen in einem Metier zu finden und setze dann vieles daran, ein Projekt realisieren zu können«, so der Kreative. »Wenn es trotz Hartnäckigkeit nicht klappt, klappt es eben nicht. Dann suche ich mir ein neues. «

Ein Projekt, das ganz hervorragend in seiner Ganzheitlichkeit funktionierte, ist die Serie über das Kurhotel sowie die Kuranstalt im vorarlbergischen Schruns: Zu Beginn der fünfziger Jahre erbaut, zählte diese Institution bis in die siebziger Jahre zu einer der renommiertesten und nobelsten ihrer Art. Die Umsätze gingen jedoch zurück – seit 2002 ist der Gebäudekomplex ganz verlassen und in dieser fast schon gespenstischen Leere verschwand auch der Eigentümer ... den Porsche vor der Haustüre zurücklassend. Viele Gerüchte kursierten um seinen Verbleib sowie das altehrwürdige Gemäuer, nun soll es abgerissen werden. Dieser Ort mit seinen unausgesprochenen Erzählungen war prädestiniert für Marko Zink: Er schuf hieraus eine Serie voller irritierender Momente, das Paradox einer verfallenden Heilanstalt – der »Arzt« wird zum Patienten. Es entstanden Suchbilder, die durch seine spezielle Fotografietechnik die Vergänglichkeit unabhängig vom Motiv in sich tragen. Hier lugt ein Arm hervor, dort steht jemand hinter dem Vorhang. Die Vergangenheit glamouröser Zeiten blitzt kurz hervor, ehe sie sich in der Tristesse der Verwahrlosung, der Anhäufung skurril anmutenden Mobiliars auflöst. Ein privater Schicksalsschlag Zinks – der plötzliche Tod seines Bruders während dieses Projekts – mag dazu beigetragen haben, dass diese Serie von unglaublich intensiver Melancholie getragen wird. Vitalität und Tod lagen im künstlerischen Konzept nah beieinander – die Realität untermauerte es mit unbarmherziger Wucht.

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