Schleifmühlgasse 18 - 1040 Wien
+43-1-9207778 - info@galerie-stock.net

.

Annett Zinsmeister | Im Tiefenrausch von Licht und Farbe

„Die Kunst ist nichts anderes als das Licht der Natur" Goethe

Hans Kotter ist ein Experte im Umgang mit Farbe und Licht. In seinem Studium der Malerei beschäftigte er sich mit Farbkompositionen, mit dem Umgang von Fläche und Struktur, Farbe und Form. Ende der neunziger Jahre konzentrierte er sich zunehmend auf das Medium der Fotografie. Anhand experimenteller Versuchsanordnungen widmete er sich dem Studium des Lichtes und dessen Segmentierung in Farbspektren. Die Visualisierung und ästhetische Inszenierung von Lichtbrechungen sowie virtuose Farbkompositionen gehören seither zum Grundrepertoire des Kotter´schen Werkes:

„Es gibt kaum ein anderes Element, welches das Leben auf unserem Planeten so nachhaltig beeinflusst, wie das Licht. Licht fasziniert mich auf sehr vielfältige Weise und ich beschäftige mich seit Jahren mit dem Medium Licht, mit dessen Zusammensetzung, physikalischen Zusammenhängen, Farben, der Wahrnehmung und der kulturellen Geschichte. Die daraus resultierenden Erfahrungen und Erkenntnisse setze ich dann in meinen Arbeiten um."

Es ist der spielerische Umgang mit unterschiedlichsten Materialien wie zum Beispiel mit Öl, Wasser, Plexiglas, Edelstahl, Chrom, etc..., und deren Wirkung in Bezug auf Licht und Farbe die Hans Kotter fasziniert und zu immer neuen Ausdrucksformen inspiriert. Wie vielgestaltig dieser Umgang sein kann, zeigt sich in der starken Ausdruckskraft und der Vielgestaltigkeit seiner Werke:

In der Abstraktion von Farbe und Licht entstehen diffuse Landschaften, die Illusion von Weite, geheimnisvolle Wogen, die Anmutung von Wasser, flirrender Hitze oder edlen Stoffen, die in wallenden Falten über die Bildfläche zu gleiten scheinen. Diese unbearbeiteten Fotografien des Immateriellen, von Licht und Farbe, verweisen in ihrer anmutenden Stofflichkeit auf die Ursprünge in der Malerei und sind zugleich Dokumentationen physikalischer Vorgänge. Es ist beeindruckend, wie unfassbar schön, opulent, virtuos und zugleich geheimnisvoll naturwissenschaftliche Erkenntnis in der Kunst zur Erscheinung gebracht werden kann.

Dabei kommt dem Umgang mit Farbe eine zentrale Rolle zu. Aus seinen profunden Kenntnissen zu Farben und deren sehr unterschiedlichen Wirkung hinsichtlich der Lichtverhältnisse und der Nachbarschaft zu anderen Farben, setzt Hans Kotter sehr gezielt und zugleich intuitiv Farbflächen zueinander in Beziehung und kreiert Harmonien, sowie spannungsgeladene Kontraste.

Die Werkserie colour codes zeugt von diesem Umgang: Colour code sind Leuchtobjekte, deren vertikale farbige Struktur immer neue Farbkombinationen in unendlicher Vielfalt zum Erleuchten bringt. Die fotografischen Collagen, die an Barcodes erinnern, wirken auf den ersten Blick mit einer Ästhetik des Minimalen und entfalten anhand der LED Leucht - Technik ein variantenreiches Farbenspiel. Durch den Wechsel der Farbigkeit entsteht eine Vielzahl an optischen und ästhetischen Reizen, denn aufgrund der changierenden Farbspektren scheinen sich die Codes langsam zu bewegen. Die umgebende Wand und der Raum bleiben von dieser Choreografie von Licht und Farbe nicht unberührt.

Der Raum spielt in den installativen Arbeiten von Hans Kotter eine wichtige Rolle. Licht wird zum Beispiel als blaues Band (blue line) auf subtile Weise in Einsatz gebracht: Die Kubatur des Raumes verschwindet im Dunkel und wird reduziert auf eine Umrisslinie. Diese Abstraktion von Raum bringt zwar viele Details zum Verschwinden, doch werden dafür andere elementare Rauminformationen zum Vorschein gebracht. Raumgreifende Kompositionen mit Leuchtstoffröhren und leuchtenden Objekten tauchen unterschiedlichste Räume in wechselnde Lichtfluten und den Betrachter in ein Wechselbad von sinnlichen Eindrücken und Gefühlen.

In seinen jüngsten Arbeiten den sog. „Tunnel" beschäftigt sich Hans Kotter mit der Illusion von Raum: In neu entwickelten Leuchtobjekten, bestehend aus filigranen spiegelnden Glaskörpern, die aufgrund ihrer edlen Materialität und Präzision eine ganz eigene Aura verbreiten, sieht sich der Betrachter beim Näherkommen einer geheimnisvollen Anziehungskraft ausgesetzt, die sich zunehmend zu einen Rausch der Tiefe entwickelt. Wie mit Zauberhand verwandeln sich die spiegelnden Flächen des Leuchtobjektes beim Einschalten der Lichtquelle im Objektinnern in einen magischen Farbtunnel, dessen Ende nicht abzusehen ist und der - wie bei Alice im Wunderland - der Fantasie und Vorstellungskraft scheinbar unendlich Raum zur Entfaltung bietet.
Der Tunnel, der mal gekrümmt und mal geradlinig in die Unendlichkeit weist, ist eine Erscheinung, die so realistisch wirkt, dass man mit der Hand hinein greifen möchte und sich einem unwiderstehlichen Sog ausgesetzt sieht. Doch es ist ein Spiel mit Illusion, mit den scheinbar unendlichen Möglichkeiten Licht und Farbe in immer wieder überraschender und höchst erstaunlicher Weise künstlerisch in Szene zu setzen. Dieses überaus ästhetische und zugleich geheimnisvolle Zusammenspiel von spiegelnden Flächen und unendlichen Farbkompositionen versetzt den Betrachter in einen Farben- und Tiefenrausch von dem man sich nicht so schnell wieder erholen möchte, dem Künstler Hans Kotter sei Dank!

Go to top