Schleifmühlgasse 18 - 1040 Wien
+43-1-9207778 - info@galerie-stock.net

10.9.2017
Eröffnung: Samstag, 9.9., 18h
Bad Word Disko & Partizipative Performances: 14.9., 18h


10.9.-7.10.2017

 

Liebevolle Schimpfwörter
Bernadette Anzengruber, Patrick Baumüller, Ivica Capan, Vlasta Delimar, frustracиja., Tomislav Gotovac, Vlado Martek, Veronika Merklein, Lilo Nein, Alexander Viscio

Archive in Words – Limitierte Künstlerbücher
Sandro Dukic, Jonathan Safran Foer, Tomislav Gotovac, Dimitrije Bašičević MANGELOS, Maj 75, Vlado Martek, Jonathan Monk, Giovanni Morbin, Lilo Nein, Julije Knifer, Harold Pinter / Gorgona, Josip Stošić, Goran Trbuljak, Lawrence Weiner

 
Donnerstag, 14.9., 18 Uhr

Bad Word Dicko & Partizipative Performances mit frustracиja. & Patrick Baumüller

 

Let's talk about Fuck. Shit. Asshole. Arschloch. Sau. Kurac. Möse. Dick. Fat.
Das Fluchen übt in jeder Sprache eine magische Faszination aus. Nahezu jede Kultur hat ihre eigenen Schimpfwörter, und die sind meistens tabu, ob Fäkalien, Sexualität, Inzest oder Tod, aber auch Tiernamen werden zur Inspirationsquelle für Kraftausdrücke.

Die Ausstellung Liebevolle Schimpfwörter beschäftigt sich mit dieser Thematik. Eingeladen wurden Künstler und Künstlerinnen die grundsätzlich oder gelegentlich Schrift in ihren Werken verwenden. Das Wort wird zum eigenständigen Bildmedium und die kommunikative Schnittstelle zwischen Schrift und ihrer künstlerischen Gestaltung wird ausgelotet, um die Grenzen der Vulgärsprache aufzuspüren. Die Worte dienen hierbei nicht nur als Werkzeug, sondern auch als Spielzeug: Das Spielen in und mit der Sprache. Im Fokus der Präsentation stehen Kunstwerke aus den Bereichen Performance, Malerei, Grafik, Fotografie, Collage, Skulptur und Instal¬la¬tion.

Nach Marten-Cleef ist die Definition eines Schimpfwortes: „eine nicht individuelle, emotional-aggressive Sprechhandlung." (Susanne Marten-Cleef, Gefühle ausdrücken. Die expressiven Sprechakte, 1991. S. 310). Geoffrey Hughes stellt fest: "Swearing draws upon such powerful and incongruous resonators as religion, sex, madness, excretion and nationality encompassing an extraordinary variety of attitudes including the violent, the shocking, the absurd, the casual, and the impossible." (Geoffrey Hughes, A Social History of Foul Language, Oaths and Profanity in English,1998)

Wir wissen sehr wohl was "schmutzige Wörter" sind, allerdings sind diese in unserer Gesellschaft noch immer nicht salonfähig, dennoch hält uns nichts davon ab, sie ständig in der Öffentlichkeit mit Freude zu verwenden. Die Bedeutungsinhalte von Vulgarismen haben sich in den letzten Jahrzehnten drastisch verschoben, weil sich Tabus ändern, ändern sich auch die Schimpfwörter.

Tabuwörter sind mehr als nur Wörter, eigentlich ist es paradox, aber keines dieser Wörter ist im eigentlichen Sinn beleidigend, es kommt immer nur auf seine Verwendung in einem bestimmten Zusammenhang an. Seit Erdmanns Publikation „Die Bedeutung des Wortes" von 1925 ist die „Nebenbedeutung" des Wortes zu einem wichtigen Thema in der Linguistik geworden. Er unterscheidet Wortbedeutung in begriffliche Inhalte (die Hauptbedeutung) und Nebensinn und Gefühlswert (die Nebenbedeutung). Oksana Havryliv hat in ihrer Studie festgestellt, dass verbale Aggressionen offen, aber auch in verdeckter Form erfolgen können, in Gedanken des Sprechers oder in Abwesenheit des Adressaten. (Oksana Havryliv, Verbale Aggression: Formen und Funktionen am Beispiel des Wienerischen, 2009)

So werden Schimpfwörter der Situation angepasst und den Assoziationen, die damit verbunden sind. Dadurch, dass Schimpfwörter in allgemeinen Situationen gebraucht werden, sind sie konventionalisiert. Ein und dasselbe Wort kann in mehreren Variationen verwendet werden: Einmal für seine eigentliche Hauptbedeutung aber auch für seine zahlreichen Nebenbedeutungen, einen unhöflichen oder beleidigenden Angriff, aber auch als humorvoller Spottname oder als Kosewort.

So verwenden Gotovac, Delimar, Anzengruber, Merklein, frustracиja. oder Capan Worte wie KURAC, DICK, FAT, MÖSE oder SAUTROTTEL -um indirekte Kritik am politischen System, Wirtschaftsformen, sozialen Missständen oder der Kunst- und Konsumgesellschaft auszuüben.

Poetische bild- und wortsprachliche Verbindungen lassen sich bei den Werken von Nein und Martek erkennen. Baumüller legt die Ebenen des (primitiven) Streitgesprächs konterkarierend anhand einer interaktiv-repetierenden Schaubühne dar. Das Umsetzen von Wortspielen in visuell erfahrbare Objektkonfigurationen zieht sich durch die konzeptuelle künstlerische Arbeit von Viscio.

Die Schimpfwörter werden zum Bild, zum Objekt, zur Skulptur oder zur abstrakten Gestalt und
transferieren das vermeintliche Zerrbild in eine künstlerische Manifestation, die zur Diskussion anregen soll.

Im zweiten Raum der Galerie wird einen kleine Bibliothek der Worte aufgebaut. In Gedichten, Typogrammen, Romanen, Sehtexten und skulpturale Objekte werden unterschiedliche Methoden und divergente sprachanalytische Konzepte vorgestellt. Hier sind Werke von Weiner, Gotovac, Morbin oder auch Mangelos und Gorgona zu sehen.

Die gezeigten Publikationen sind sowohl seltene Unikate, Editionen oder Multiples zum Thema Sprache. In der offenen Bibliothek werden Fachbücher zum Thema „Vulgärsprache" zu sehen sein. Die Besucher werden eingeladen die Bücher aus den Regalen zu nehmen und vor Ort zu lesen.
Viele der gezeigten Bücher sind aus der Sammlung Dr. Heidi Fazekas.

Wir laden Sie herzlich ein, die Tabus der "schmutzigen" Sprache zu durchbrechen und ihre Bedeutung in unserem alltäglichen Sprachgebrauch neu zu überdenken.


Pressetext: Liebevolles Schimpfwort & Archive in Words | Gruppenausstellung
Pressefoto 1: Tomislav Gotovac, Pun mi je kurac, 1978, Original, Siebdruck auf Aluminium, signiert, 55 x 74 cm
Pressefoto 2: Alexander Viscio, Asshole, 2008, Skulptur, laminiertes Birkenholz, signiert, 30 x 100 x 20 cm
Pressefoto 3: Ivica Capan, möse, 2010, Öl auf Leinwand, signiert, 35 x 45 cm
Presse photo 4: Lilo Nein, Schimpfwort, 2017, Fineliner auf 100g Papier, Edition: 100, 2,5 x 29,7 cm

Go to top