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22.9.2016
EVELYN LOSCHY & MARKO ZINK | viennacontemporary
22. - 25.9.2016
WO: Marx Halle Wien, ZONE 1 | G27
viennacontemporary


Galerie Michaela Stock zeigt
EVELYN LOSCHY | UNDER DESTRUCTION | Zone 1 | G27


Wenngleich die Phrase den Grundethos von "Under Destruction" beschreibt, spielt die Ausstellung selbst mit den Erwartungen, die üblicherweise an ein solch zerstörerisches Thema geknüpft sind. Im Zentrum sollen nicht nur verschiedene Zerstörungsarten in der Kunst stehen, sondern auch, viel wichtiger, wozu diese überhaupt eingesetzt werden. Der Begriff Auto-destructive art wurde vom Künstler Gustav Metzger in den frühen 1960er Jahren erfunden, um radikale Kunstwerke zu beschreiben, bei denen Zerstörung Teil des Schaffensprozesses ist, wodurch das Opfer selbst zum Kunstwerk wird

Die für die viennacontemporary | Zone 1 konzipierte Ausstellung hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, diesem Phänomen auf den Grund zu gehen und umfasst kinetische Skulpturen und ebenso Werke wie Performances (Video, Fotografie) Die Arbeiten widmen sich dem Thema Identität und schaffen so gegenseitige Anknüpfungspunkte. So wird ihr Zugang zu komplexen menschlichen Vorgängen verdeutlicht, wobei der Schwerpunkt auf dem Dasein der Menschen liegt, hin- und hergerissen zwischen (sozialen) Standards, (physisch-emotionalen) Möglichkeiten und künstlerischen Strategien und auch Bezug auf Geschichte, politische Strukturen und wirtschaftlichen Wandel genommen wird. Erzählt wird eine Geschichte des Widerstands, eine Geschichte innerer Konflikte und des Kampfs um Macht und Unterwerfung.

Die kinetische Skulptur untitled [kinetic sculpture #4] und IS IT ME bildet daher auch einen wesentlichen Teil der Ausstellung. Die zwei (auto)destruktiven Skulpturen werden dem stop-motion Performancevideo ENTKOPPELUNG (DECOUPLING) und der performativen Intervention lost memories gegenübergestellt. Die zwei kinetischen Skulpturen beschäftigen sich augenscheinlich mit dem Thema der Destruktion, während das Performancevideo und die Wandintervention eher subtil auf das Thema anspielen und es sich hier um ein destruktives Spiel zwischen Aktion und dem Material handelt.

 

EVELYN LOSCHY | DIE SKULPTUR ALS BILD | Günther Holler-Schuster

[...] Sie begreift Destruktion nicht als die vollständige oder partielle Auflösung einer organischen oder anorganischen Einheit durch verschiedenartige Prozesse und Handlungen. Auch ist die Bedeutung von zerstörten, gefundenen, von der Gesellschaft ausgeschiedenen Gegenständen nicht zentral in ihren Überlegungen. Vielmehr profitiert die junge Künstlerin von der „Stunde Null" der Avantgardeströmungen, die jenen Pluralismus der Stile, Kunstbegriffe und Bildtechniken auslöste, der seither als Last der Moderne gilt.
Wohl aber – und das teilt die Gegenwart mit der Vergangenheit – sind die Zerstörungstendenzen in der bildenden Kunst gleichsam als Echo eines allgemeinen kulturgeschichtlichen Wandels zu verstehen bzw. sind sie oft symbolisch bezüglich der eigenen psychischen und sozialen Bedingtheit des Künstler bzw. der Künstlerin zu interpretieren.

[...] In der Versuchsanordnung „untitled (kinetik sculpture #4)" streichelt eine Hand ein Gesicht – beide aus Gips. Die Hand ist an eine technische Apparatur gebunden, die die Bewegung bewirkt. Das Gestänge bewegt also die Hand über die Wange des Kopfes und bewirkt so die partielle Abtragung des Materials. Gips löst sich in Pulverform ab und fällt zu Boden. Die Untere Schicht der Objekte (Hand, Kopf) wird sichtbar. Die grundsätzlich positive Handlung des Streichelns wird in sein Gegenteil verkehrt. Die ständige Reibung erzeugt Zerstörung. Durch die Bewegung und durch den Abbau des Materials kann man einerseits von einer sich selbst zerstörenden Anordnung sprechen, wie wohl man aber sofort feststellen muss, dass es sich nicht primär darum handelt. Hier ist der Destruktionsprozess ein schaffender und kein vernichtender Prozess. Die Skulptur agiert ab dem Einschalten als selbstständiger Kosmos. Die Bewegungsabläufe der Maschine werden zur Performance, zum Maschinentheater. Es lässt sich eine Verdichtung von Prozessen und Bedeutungen feststellen, die nomadisierend von einem Medium zum anderen unterwegs sind. Am Ende bleiben sowohl die abgeriebenen Hände und Köpfe – sie können immer wieder durch neue ersetzt werden – als auch die Dokumentation des Ablaufs.

„is it me" stellt einen Schaukelstuhl vor, auf dem eine aufblasbare Figur sitzt, die durch Schläuche mit zwei Blasbälgen verbunden ist. Ein Scheibenwischermotor bewegt den Stuhl und bewirkt dadurch ein Pumpen von Luft durch die Blasbälge in die Figur. Werden und Vergehen scheinen hier eindrucksvoll zum Perpetuum Mobile geschlossen. Die an sich Ruhe ausstrahlende Bewegung des Schaukelstuhls, als Inbegriff des Entspannens, wird wieder in ihr Gegenteil verkehrt. Es entsteht eine quälende Mühle des sich immer Wiederholenden. Der Schaukelstuhl ist nicht handelsüblich – ist kein „Ready Made" – sondern eine Metallstruktur in Form eines Schaukelstuhls. Das verändert die Bedingungen grundsätzlich, ist doch damit eine gewisse Distanz zum ursprünglichen Kontext des Möbels hergestellt. Die harmlose Funktion des Schaukelns, die auf den menschlichen Körper angenehm und beruhigend wirkt, wird zum schauerlichen Mechanismus der Unentrinnbarkeit.

[...] Diese exemplarisch angeführten Kunstwerke sind bestimmend für Evelyn Loschys Kunstpraxis. In ihnen wird offensichtlich, wie sich die Skulptur heute ereignet. Nachdem die eingangs kurz skizzierten Prozesse verinnerlicht sind, werden auch die aktuellen Bedeutungsebenen klarer sichtbar. Objekt und Bild wurden ausgetauscht. Das Dreidimensionale bzw. der skulpturale Gedanke kann sich, wie gezeigt wurde, in unterschiedlichen Medien ereignen. Bei Evelyn Loschys Werken muss man zweifellos von skulpturalen Arbeiten sprechen. Jedoch wird durch Kontextverschiebungen eine ungeheure Dichte an Bedeutungen erreicht, die als in höchstem Maße narrativ erlebt werden können. Die Kunst ereignet sich nicht mehr, wie in der traditionellen Skulptur, ausschließlich innerhalb ihrer Grenzen. Ob es die gegen die Wand schlagende Schaukel, der selbsttätige Schaukelstuhl, die streichelnde Gipshand oder die Sprengung von Gesteinsformationen sind, alles das erzeugt im Publikum zusätzliche inhaltliche Reflexionsebenen. Je nach Befindlichkeit entsteht eine inhaltliche Schärfung in die eine oder in die andere Richtung. In jedem Fall aber hat man es in diesen Anordnungen mit überaus einprägsamen Bildern zu tun. Die dreidimensionalen Elemente sind dabei Versatzstücke eines performativen Prozesses, der den Inhalt und den visuellen Eindruck bestimmt. Bis auf die aufblasbare Figur im Schaukelstuhl oder die Hand und den Kopf aus Gips scheinen die direkten körperlichen Bezüge scheinbar ganz zu fehlen. Sie werden aber auch in ihrer Absenz spürbar. Die Apparaturen stehen gleichsam mit dem Körperlichen in Verbindung. Ein selbstverständliches Bildbewusstsein im Betrachter zieht die unterschiedlichen Inhalte in das Werk hinein und vervollständigt es dadurch sogar. Man muss nicht ein Kind auf der Schaukel sehen, es kann auch die gequälte Kreatur im sich ständig drehenden Kreislauf sein, oder der durch die Apparatur gepeinigten Delinquenten.
Destruktion und Autodestruktion als Topoi der Kunstentwicklung der letzten Jahrzehnte spielen im Werk Evelyn Loschys die zentrale Rolle. Sie analysiert durch ihre Arbeiten den Veränderungsprozess dieser Methoden. Ihre Werke eignen sich, um den eingangs beschriebenen Weg von der Skulptur zum Objekt zur Handlung nachzuvollziehen. Sowohl in Bezug auf das Dreidimensionale als auch in Bezug auf das Bild ergeben sich dadurch neue Perspektiven.

Textauszug | Die Skulptur als Bild | Günther Holler-Schuster | 2016

PRESSETEXT | EVELYN LOSCHY | Günther Holler-Schuster

Text | Die Skulptur als Bild | Günther Holler-Schuster
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Marko Zink | Olympia
for the Cinema program curated by Olaf Stüber | fred&freda und OLYMPIA, 5,59 min

Serie fred&freda, 2010, Traktor fahren, Video, 1:24 min

Serie OLYMPIA, Video, 2013/2014, Heidi, 2013, 29 sek., hunting high and low, 2013, Video, 2:55 min, much ado about nothing, 2014, Video, 1:13 min, when will I be famous, 2014,Video, 38 sek


Über seinen Körper positioniert sich der Mensch in der Welt und in seiner Zeit, Körpervorstellungen und –konzepte sind meist zeithistorisch verortet. Der Körper des Menschen ist seine Hülle, der Schutz seines Innersten, ob es sich um rein physische oder um metaphysische Konzepte wie z.B. die Seele handelt, die ihn zusammenhält.

In den 5 Kurzfilmen OLYMPIA und fred&freda von Marko Zink zeigen sich die Doppelbödigkeit und das Verstörende in den zwei Serien unverstellter und angriffslustiger als bisher in seinen Werkzyklen. Vor einem idyllischen lebensnahen Hintergrund spielt etwas, nur auf den ersten Blick Lustiges und Unterhaltsames. Sehr schnell kommen auf die Oberfläche die ganze Ironie und die Tragik des Erzählten.

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