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galerie michaela stock
8.3. - 27.4.2019
Eröffnung: 7. März 2019, 18h

EINLADUNG zur KATALOGPRÄSENTATION
IVICA CAPAN CANDID
Montag, 8.4. um 18 Uhr

Am Montag, dem 08.04.19, um 18 Uhr, wird der Katalog, der diese Ausstellung begleitet, erstmals in der Galerie in Anwesenheit des Künstlers Ivica Capan vorgestellt. Der Kunstkatalog „Candid" soll einen Einblick in sein Oeuvre geben und inkludiert ein Essay von Lucas Gehrmann.
Aus Anlass der Katalogpräsentation wird Ivica Capan durch seine Ausstellung führen. Im Anschluss wird zu „candid & drink & snack" geladen.

Der limitierte Kunstkatalog (Auflage 90 Stück) umfasst 76 Seiten und ist am Eröffnungsabend für 10,- Euro erhältlich. Des Weiteren gibt es 10 Sondereditionen inklusive einem Original für 100,- Euro.

PREVIEW SONDEREDITION > HIER

 

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galerie michaela stock präsentiert vom 7. März bis 20. April 2019 zwei Einzelausstellungen:
Ivica Capan: Candid und Alina Sokolova: Heracleumfall

Die Kunstwerke, in den zwei Ausstellungsräumen, spielen mit "Kommunikation" auf verschiedenen Ebenen. Capan und Sokolova, die in Wien leben und arbeiten, beschäftigen sich mit bestimmten Aspekten der Überwachung und Hypervisibilität, diese kann bis zur Dekonstruktion und Infragestellung des Mediums selbst führen und eine Verschmelzung zwischen Illusion und Tatbestand auslösen. Eine subtile Ausstellung, die persönliche Geschichten mit kulturellen und politischen Themen aus verschiedenen Perspektiven zeigt.

Digitale Kontrollmechanismen sind das zentrale Thema des kroatischen Künstlers Ivica Capan in seiner ersten Einzelausstellung in der galerie michaela stock. Capan verwendet Bilder aus Massenmedien und liefert einen kritischen Blick auf die heutige Welt. Candid fordert die Erwartungen des Betrachters an die Kunst und die mögliche Zukunft des Internets, angesichts einer umfassenderen Anpassung digitaler Technologien, heraus. Ivica Capans Sujets sind nicht immer nur hintergründig sozial-, medien- oder politikkritischer Natur. Ein sich durch sein Werk der vergangenen Jahre durchziehendes Generalthema war etwa jenes der bewaffneten Drohne: einer für digitale Kontrolle, militärisch-politische Potenz der Machthabenden und deren trügerische Propaganda einer sauberen, weil vermeintlich „humanen" Kriegsführung stehenden Waffe. Diese Art von – hier digitaler – „Übermalung" praktiziert Capan des Öfteren auch in Öl auf Leinwand, um sowohl die eindeutige Erkennbarkeit von massenhaft reproduzierten und distribuierten Bildern zu verstören als auch den Kontext ihrer Herkunft zu erweitern. Seine Kunstwerke enthalten thematische Verweise auf Kunstgeschichte, Literatur und Populärkultur, Capan zeigt die Veränderungen, die die digitale Technologie auf Raum-, Zeit- und Kulturauffassungen mit sich bringt.


Video zur Ausstellung > klicke hier

Schnappschussbemerkungen zur Ausstellung „Ivica Capan: Candid" in der galerie michaela stock, Wien 2019
Lucas Gehrmann

„Hüpfen und die Arme so halten, als würde man ein imaginäres Pferd reiten. So banal funktioniert ein Tanzstil, der über Nacht Millionen Menschen begeisterte. ... Man kann Gangnam Style als buntes, spaßiges Potpourri sehen oder aber als nuancierte Gesellschaftskritik. Die Welt ist begeistert, so oder so. Ob aus dem One-Hit-Wonder ‚Psy' aber auch dauerhaft einer der ganz Großen wird, bleibt abzuwarten", hieß es Anfang November 2012 auf n-tv.1 Knapp zwei Monate später erreichte besagtes Musikvideo des K-Pop-Rappers eine Milliarde Klicks und war bis Juli 2017 mit knapp 2,9 Milliarden Aufrufen das meistgesehene Video in der Geschichte von YouTube.

Ivica Capan beschäftigt sich mit der Veränderung unserer Wahrnehmung von medialen wie auch künstlerisch produzierten Bildern im digitalen Zeitalter. Ob Motive aus der antiken Mythologie und Historienmalerei, ikonische Werke der Kunstgeschichte oder Figuren der Politik und Pop-Kultur, ob millionenweise verbreitet, kopiert und gespeichert oder in musealen Depots untergetaucht: ihre Bilder unterliegen ab dem Moment ihrer Produktion unterschiedlichsten Graden der Aufmerksamkeit. Welche Mechanismen und Umstände führen zu solchen – zunehmend rasanter pulsierenden – Ups-and-Downs des Aufmerksamkeitsbarometers? Und wie erklären sich langzeitige Kontinuitäten hoher wie auch flacher Wahrnehmungskurven?

Zentral, aber klein positioniert Ivica Capan ein schnappschussartiges Filmstill-Porträt des südkoreanischen Rap-Stars in einem Bild, das er mit Ghost betitelt. Geisterhaft erscheint hier aber auch eine weitaus größere Figur, aus deren Kragen das „One-Hit-Wonder" Psy galoppierend-performierend herauszuspringen scheint. Bei dessen Träger-Figur handelt es sich um den in ein dadaistisches Kostüm gekleideten Mitbegründer des Cabaret Voltaire, Hugo Ball. Das zugrundeliegende Foto aus dem Jahr 1916 ist „malerisch"-digital verfremdet, so wie auch fast alle anderen in diesem Bild auftauchenden Motive – Fragmente von Hunden etwa aus einem altmeisterlichen Jagdstück oder seeanemonenartig wogende Eukalyptus-Blüten. So wie der Dadaismus als Vorreiter aller Performance Art gilt, scheinen hier alle beteiligten Bildelemente „performierend" in eine sich gegenseitig animierende Aktion zu treten. Capan hat in einem weiteren Bild dieser Serie den von John Baldessari 1971 seinen Studenten zum wiederholten Schreiben aufgegebenen Satz „I will not make any more boring Art" [Ich werde keine langweilige Kunst mehr machen] als Zitat eingefügt – dessen minimalismuskritische Aussage durch ihre mehrfache Wiederholung zugleich konterkariert wird. Baldessaris Satz könnte vom zeitgenössischen Künstler hier durchaus wörtlich gemeint sein, kann doch mit rein minimalistisch-reduktionistischen Mitteln der flimmernd-fluiden Realität eines virtuell-medialen Weltenkosmos kaum noch entsprochen werden.

So wie bei Ghost bringt Capan auch in Flowerpower die Sprachen und Potenziale von Malerei, Film und technisch-digitaler Bildgenerierung so in Korrespondenz, dass wir Betrachter/innen realisieren, dass dabei Vieles stimmt an „Information" und ebenso Vieles nicht. Die Titelfigur in diesem Bild – genauer: ihre textile Hülle – entstammt dem James-Bond-Film Skyfall (2012). Der Künstler verpasst hier dem „bösen" Widersacher Bonds, Raoul Silva (Javier Bardem), einen Körper aus Blüten und Beeren, die einem der raren Blumenstillleben des (Historien-)Malers Eugène Delacroix entnommen sind. Diese Art von – hier digitaler – „Übermalung" praktiziert Capan des Öfteren auch in Öl auf Leinwand, um sowohl die eindeutige Erkennbarkeit von massenhaft reproduzierten und distribuierten Bildern zu verstören als auch den Kontext ihrer Herkunft zu erweitern. So könnte man bei Flowerpower etwa auch an Charles Baudelaires zwischen 1857 und 1868 publiziertes lyrisches Werk Les Fleurs du Mal denken, das von der „Biopsie des Abgrunds [handelt], der in einem Subjekt aufklafft, das die Entstehung des modernen Bewusstseins als seelische Zerreißprobe durchleidet"²: „Der Eine füllt die Welt mit Glühn / Dem Andern ist sie Schmerz und Grauen / Er kann nur die Verwesung schauen / wo Jener Leben sieht und Blühn."³

Ivica Capans Sujets sind nicht immer nur hintergründig sozial-, medien- oder politikkritischer Natur. Ein sich durch sein Werk der vergangenen Jahre durchziehendes Generalthema war etwa jenes der bewaffneten Drohne: einer für digitale Kontrolle, militärisch-politische Potenz der Machthabenden und deren trügerische Propaganda einer sauberen, weil vermeintlich „humanen" Kriegsführung stehenden Waffe. Bei Capan stürzt sie mal ab wie der hochmütige Phaeton vor einer Foto-Reproduktion von Peter Paul Rubens' gleichlautendem Gemälde oder schwadroniert über Hieronymus Boschs großes Weltgerichtstriptychon, ein andermal fliegt die Drohne – immer vom Typ Predator (dt. Raubtier, ausgestattet mit Hellfire-Raketen) – über Paolo Veroneses um 1575 geschaffenes Gemälde Le Pene dell'Amore/Der Liebeskummer (auch Il disinganno/Die Enttäuschung betitelt) aus dessen vierteiliger Serie der Allegorien der Liebe (National Gallery, London).
So leistet Ivica Capan, wie Martina Fleischer schreibt, einerseits „im Sinne von Fernand Braudels strukturalistischem Geschichtsbegriff der ‚Longue Durée' Beiträge zur Vermittlung von [...] grundlegenden und der abendländischen Kultur immanenten Wertefragen. Zum anderen verbindet seine mit bestechender Präzision ausgeführte Arbeit die malerischen Werte [der alten Meister] mit zeitgenössischer Malerei und digitalen Medien zu modernen Bildwerken ...".4 Auch wenn nämlich der Künstler an traditioneller Bildproduktion zweifelt und sie deshalb stets aufs Neue hinterfragt, ist er doch der Auffassung, „dass die Malerei als erste berufen ist, sich der schwierigen Situation der visuellen Übersättigung anzunehmen und auch Erfahrung und Wissen mitbringt, um damit wieder Neues zu erschaffen."5

1 n-tv, 3. November 2012, https://www.n-tv.de/leute/film/Gangnam-Style-erobert-die-Welt-article7651156.html
2 S. Klappentext zur Ausgabe rowohlt, 2017, https://www.rowohlt.de/hardcover/charles-baudelaire-les-fleurs-du-mal-die-blumen-des-boesen.html
3 Charles Baudelaire, Blumen des Bösen/Les Fleurs du Mal, aus dem Französischen übersetzt von Terese Robinson, München: Georg Müller Verlag 1925, hier zit. aus: gutenberg.spiegel.de/buch/blumen-des-bosen-les-fleurs-du-mal-1363/1
4 Martina Fleischer, „Drohnen im Paradies – Eine alltägliche Apokalypse", in: Hieronymus Bosch 500, Ausstellungsbroschüre Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien, 6. Juli bis 9. Oktober 2016.
5 Ivica Capan, zit. in: Lucas Gehrmann, „Ivica Capan. Bilder sind nicht Bilder. Malerei zwischen Entmaterialisierung und gesellschaftspolitischem Appell", unpubl. Manuskript, Wien 2016.


mehr Informationen zu > Ivica Capan


PRESSE
Pressetext | Ivica Capan: Candid und Alina Sokolova: Heracleumfall

Pressebild 1: Ivica Capan, Allegory, 2015, Fine Art Print / Hahnemühle Photo Rag, matt, kaschiert auf Aludibond, Edition 3 + AP, 150 x 150 cm, Courtesy: Ivica Capan / galerie michaela stock

Pressebild 3: Ivica Capan, Ghost, Fine Art Print / Epson Cold Press Natural, 162,3 x 112,3 cm, Edition 3 + AP, Courtesy: Ivica Capan / galerie michaela stock

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