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9.11.2017
rethink duality
Evelyn Loschy & Sofie Muller
9.11.2017 - 13.1.2018
in Kooperation mit Geukens & De Vil Gallery and Vienna Art Week


 Muller Brandt 450 
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09.11.,18h: Eröffnung

13.11, 18h: Artist Talk
Stef Van Bellingen im Gespräch mit Evelyn Loschy & Sofie Muller
Im Rahmen der Vienna Art Week 2017

 

rethink duality
Ungeachtet ihrer unterschiedlichen Ausbildungen, Hintergründe und Herangehensweisen befassen sich Sofie Muller und Evelyn Loschy mit demselben Thema – der Konstruktion und Dekonstruktion von Wirklichkeiten. Sie stellen die Ambivalenz des menschlichen Daseins dar, geprägt von der Erkenntnis, was das Leben ausmacht, und vom Wissen um die unausweichliche Vergänglichkeit. Beide lehnen traditionelle Kunstformen wie Malerei ab und verwenden anderen Methoden wie kinetische Skulptur, skulpturale Installation oder Video um den menschlichen Körper zu dekonstruieren.

mit freundlicher Unterstützung: Botschaft von Belgien / DELEGATION VON FLANDERN

 

 

rethink duality von Miljana Mirović

Wenn man seine Erinnerungen abruft, lässt sich erkennen mit welcher Macht diese im eigenen Bewusstsein verankert sind; diese emotionsgeladenen Szenen führen ins Innerstes, verlockende, manchmal verstörende Gefühle von Einsamkeit, Trostlosigkeit, aber auch Hoffnung tauchen auf.

rethink duality präsentiert die Arbeiten von Sofie Muller und Evelyn Loschy. Ein wesentlicher Bestandteil ihrer Arbeiten sind Gegenüberstellungen von Kontrasten die beim Betrachten widersprüchliche Emotionen auslösen. Diese Ausstellung spiegelt das radikale Denken wider, in verschiedene Medien wie (kinetischen) Skulpturen, Videos bis hin zu Papierarbeiten, in denen der (abwesende) Körper in einer geteilten, von emotionaler und sozialer Kontrolle belagerten Realität, gezeigt wird. Beide Künstlerinnen haben keine Angst in die verborgenen Klüfte der menschlichen Seele zu schauen, ohne sich vor dem Abgrund zu fürchten, der im Innersten zu finden ist.

Doch was verbindet die Arbeiten von Evelyn Loschy und Sofie Muller? Beide sind Frauen die herkömmlichen Kunstformen wie Malerei oder Zeichnung ablehnen. Aber wo ist der rote Faden, der das Oeuvres beider auf so symbiotische Weise verbindet und zusammenführt? Ihre Hauptthemen drehen sich um Dekonstruktion der Realität, und letztlich geht es darum, sich mit sensiblen (Kindheits-) Erinnerungen der individuellen Vergangenheit zu befassen, die den menschlichen Anpassungsmechanismus überfordern. Sie erschaffen eine anspruchsvolle Vision unserer Welt, indem sie ihre Widersprüche und Komplexitäten aufdecken und das Publikum dazu bringen, die starke Wirkung, die von den Werken ausgeht, zu überdenken, sich zu erinnern und mit diesen in Beziehung zu treten. Beide Künstlerinnen nehmen durch ihre Skulpturen und Videos die Rolle einer Erzählerin einer anderen Wirklichkeit ein. Sobald der Betrachter mit dem entfremdeten und introvertierten Kunstwerk konfrontiert ist, kommt es zur Transformation. Man erkennt nicht nur ein Kunstwerk, sondern eine Erinnerung, eine unterdrückte Emotion, - und egal wie isoliert sie scheint, sie gibt Hoffnung.

Die Belgische Künstlerin Sofie Muller ist bekannt für ihre Skulpturen, performativen Videos und Rauchzeichnungen, letztere entstehen mit Rauchspuren von Kerzenflammen, die die formale Sprache des Surrealismus in Frage stellen, um eine von Widersprüchen geprägte Welt aufzudecken. Die skulpturale Serie "Alabaster Mentalis" der Künstlerin reißt alte Wunden auf und öffnet den Blick auf jene, die noch nicht vollständig geheilt sind. Alle Wunden verhärten schließlich und werden zu körperlichen oder seelischen Narben und Deformationen, genau dies ist bei Sofie Müllers isolierten Köpfen zu erkennen. Die Narben erzeugen gleichzeitig eine raue, aber poetische Sichtweise, sie werden niemals verschwinden und bleiben als unerwünschte Erinnerung zurück.

Erinnerung im Gedächtnis auszulöschen oder zu unterdrücken, scheint ein gemeinsames Konzept zu sein, wenn man bestimmte Werke beider Künstler betrachtet. Evelyn Loschy arbeitet mit einer Vielzahl von Materialien und Methoden, angefangen von Video, standortspezifischen Interventionen bis hin zu kinetischen Skulpturen, die im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen. Zerstörung und Selbstzerstörung spielen in ihrem Oeuvre eine zentrale Rolle. In einem der Galerieräume sieht man die kinetisch destruktive Skulptur "Nothing is for Free" von Loschy. Eine Schaukel hängt an der Decke des leeren Raumes. Beim Schwingen schlägt diese immer wieder auf die Galeriewand und verursacht dadurch partiellen Schaden, eine Schramme. Bei jedem sich wiederholenden, hallenden Aufprall wird die Wand nach und nach abgetragen. Die Schaukel wird jedoch niemals vollständig die Wand durchbrechen. Bei genauer Betrachtung erkennt man, dass die Kinderschaukel aus Stahl besteht, und sich in einen drohenden und kalten Mechanismus, als in einen einladenden, verwandelt. Die monotone mechanische Bewegung wird zu einem destruktiven performativen Akt,
bei dem sich ein Kinderspielzeug in einen Apparat der Unruhe verwandelt.

Während bei "Nothing is for Free" direkte körperliche Referenzen fehlen, zeigt Sofie Müller im anderen Raum einen bronzenen Jungen namens "Brandt". Der Kopf und die Schulter lehnen passiv an die Galeriewand und es ist eine schwarze, lange gezogene Spur zu sehen, die in Höhe des Kopfes positioniert ist. Bei näherem Hinsehen fällt auf, dass der Kinderkopfes aus Holz besteht und teilweise vollständig verbrannt ist. Die Verbrennung stellt ein drastisches Zeichen einer inneren Wunde dar und ist eines von vielen Beispielen in der Arbeit von Sofie Muller, Feuer zu verwenden, um die (möglicherweise) traumatischen Erfahrungen aus dem Gedächtnis zu verbrennen. Aber egal wie sehr man sich bemüht, sind die Spuren der Erinnerung immer noch an der Wand verteilt sichtbar.

Diese beiden Skulpturen sind durch die Galeriewand miteinander verbunden. Auf der einen Seite schlägt die Schaukel dagegen und auf der anderen Seite hinterlässt der Junge seine Spuren. Ein vorübergehender Moment der menschlichen Existenz wird erfasst und kommuniziert.

Der ganze Text zur Ausstellung: rethink duality | Miljana Mirović

mehr Informationen zu den Künstlerinnen finden Sie Hier  > Evelyn Loschy & Sofie Muller

kurzer Pressetext: rethink duality | Evelyn Loschy & Sofie Muller
Pressefoto 1: Sofie Muller, Brandt, 2011, patinierte Bronze und verbranntes Holz, Höhe 133 cm, Courtesy: Sofie Muller / Geukens & De Vil Gallery / galerie michaela stock
Pressefoto 2: Sofie Muller, AL/XXXXX/17, 2017, roter Parnon Stein, H31 x B26 x D21, Courtesy: Sofie Muller / Geukens & De Vil Gallery / galerie michaela stock
Pressefoto 3: Evelyn Loschy, nothing is for free, kinetische (auto)destruktive Skulptur, 2013, Skulptur, Eisen, Motor, Transformator, Pulsweitenmodulator, Beton-/ Ziegelwand, 1 + 2 AP, Dimensionen variabel, Courtesy: Evelyn Loschy / galerie michaela stock
Pressefoto 4: Evelyn Loschy, I met Eduard Steinberg but never got to see him, 2017, Video, loop, 3:23 min., hd, Farbe, Ton, Musik- und Sounddesign: Nicoló Loro Ravenni


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