Schleifmühlgasse 18 - 1040 Wien
+43-1-9207778 - info@galerie-stock.net

29.5. - 5.9.2015
APPROPRIATION | INTERPIKTORIALITÄT | PART 2
Vernissage: Donnerstag, 28. Mai um 16 Uhr
WO: Galerie Michaela Stock, Schleifmühlgasse 18, 1040 Wien
Im Rahmen des VIENNA GALLERY WEEKEND von 29.5. bis 31.5.2105

.


Patrick Baumüller, Johanna Binder, Max Ernst, Luiza Margan, Hans Kotter, Man Ray, Milija Pavićević, Viktors Svikis, Marko Zink

Zweifellos haben sich in den letzten Jahren die Lebens- und Arbeitsbedingungen durch gesellschaftliche, politische und technologische Entwicklungen deutlich verändert und visuelle Bezüge auf existierende Bilder – Interpiktorialität – sind Teil des kunsthistorischen Diskurses geworden. Ein Kunstwerk geht insofern stets über sich hinaus, da es sich bewusst oder unbewusst auf schon Vorhandenes bezieht. Die unterschiedlichen Strategien der Aneignung werden von den ausgewählten Künstlern, die aus verschiedenen Generationen und kulturellen, geographischen Hintergründen stammen, visuell als auch konzeptuell verortet.

In der Ausstellung APPROPRIATION sollen nicht nur die divergenten künstlerischen Aneignungen wie Zitate, Plagiate und Kopien und Transformationen aufgespürt werden, sondern auch ihre Vor-Bilder, die Auskunft über die Globalisierung und die weitreichenden Veränderungen der Künstler und ihres Umfelds geben, analysiert werden.
Ein tiefer Blick in die vielen Schichten von Bedeutungen und Vorstellungen, die sich im Laufe der Zeit angelagert haben, und in die gegenwärtigen Praktiken und Diskurse rund um die Aneignung der Kunst, werden an Hand von unterschiedlichen Medien wie Grafik, Malerei, Fotografie, Skulptur und Licht-Installation artikuliert.

Die Ausstellung APPROPRIATION besteht aus zwei Teilen. Der Erste beinhaltet ein zwei-wöchiges Performance-Programm. Auf dieses folgt der zweite Ausstellungpart mit dem Titel APPROPRIATION | INTERPIKTORIALITÄT | PART 2. Begleitet werden die Ausstellungen mit Vorträgen und Diskussionen von Künstlern und renommierten Wissenschaftlern/-innen zu dem Thema Appropriation in Kooperation mit Bildrecht | Bildraum07.

Die analogen schwarz-weißen Fotografien von Man Ray mit dem Titel Picasso und transatlantic zeigen unterschiedliche Arten der Appropriation. Zu „Bildern" wurden die dadaistischen Fotografien aus den 20er Jahren erst in Verbindung mit ihren Titeln, der ähnlich wie die Inschriften auf Duchamps Ready-mades den Betrachter auf Umwegen zu dem Objekt führt. Somit wurde die Fotografie Bestandteil einer optisch-literarischen Konstruktion. Man Ray hat ein Kunstwerk von Picasso abgelichtet und es zu seinem Kunstwerk erklärt. In transatlantic werden banale Dinge wie Zigarettenstummel, abgebrannte Streichhölzer und zerrissenes Papier dargestellt und der Titel verweist direkt auf den Ozeandampfer und Man Rays Auseinandersetzung mit seiner Ankunft 1921 in Paris. Indirekt verweist die Fotografie auf das bekannte Werk seines Freundes Alfred Stieglitz The Steerage.
Das Ready-made Cadeau von Man Ray ist eine sprichwörtliche Anspielung an den Flatiron Wolkenkratzer in New York und ganz in Duchamp Manier, ein einfacher Alltagsgegenstand der als objet trouvés zu einem Kunstobjekten erhoben wurde.

Max Ernst Aquatinta Radierung Invitation au voyage zeigt einen nicht eindeutig zuordenbaren Ort auf dem ein rotes Schlüsselschildes abgebildet ist. Dieses thematisiert das Voyeuristische des Blickes und verweist zugleich auf zwei Vorbilder: einerseits auf Duchamps Installation Étant donnés: 1° la chute d'eau, 2° le gaz d'éclairage . . . (Given: 1. The Waterfall, 2. The Illuminating Gas . . . ) und andererseits auf die Architektur des von seiner Frau Dorothea Tanning konzipierten Swimmingpools in Form eines Schlüsselloches . Anders als Duchamp poetisiert Max Ernst nun die Lust des Sehens, die nun auf die Reise in das Unendliche gerichtet ist.

Viel augenscheinlicher ist die Aneignung bei Milija Pavićević Collage Velázquez-Malevich zu erkennen. „Auslöschung und Nihilismus als Infragestellung jeglichen Seins, aber auch als spirituelle Größe einer metaphysischen Betrachtungsebene, in der das Sichtbare nicht durch das Erfahrbare ersetzt werden kann, führten Pavićević in weiterer Folge zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Werk von Kasimir Malewitsch, das zur Bearbeitung kunsthistorisch bedeutender Vorlagen führte und in der Ausstellung mit einer Überarbeitung einer Reproduktion von Velázquez vertreten ist."

Die Liste der Kopien und Fälschungen von Albrecht Dürers Hasen ist lang. Der junge lettische Künstler Viktors Svikis karikiert mit The Trap die so oft reproduzierte Sehnsucht nach einer heilen (Kunst-)Welt und der akribisch gezeichnete Feldhase ist gerade auf der Flucht vor dieser. Seine Hommage ist ein gekonntes Spiel mit Tradition, Materialen und den Signaturen.

Die handkolorierten Siebdrucke Lockvogelangebot pimp von Patrick Baumüller zitieren Andy Warhols zentrale Künstler-Geste: die serielle Bildbearbeitung, die Bilder von Bildern genauso wie die Darstellung von einfachen Konsumgütern wie Zucker und Milch.

Die lichtkinetische Arbeit Explosion von Hans Kotter zeigt eine Anlehnung an die illusionistischen Kunstwerke des Op-Art Künstlers Victor Vasarely. Kotter erweitert die visuelle Irritation in seinem Lichtobjekt mittels Farben, Form und Linien. „Hatte noch Vasarely ganz im Sinne der Minimal art die Bedeutung aus der Kunst verbannen wollen und die Formalästhetik als Verweis auf die Begrenztheit menschlicher Wahrnehmung eingesetzt, so kehrt bei Kotter das Semantische und damit das Narrative, wie es die postmoderne Generation u.a. auszeichnet, zurück."

Dan Flavin beweist bereits 1964 mit a primary picture, dass das Licht selbst zum Bild werden kann. François Morellet einer der wichtigsten Vertreter der geometrischen Abstraktion stellt 1965 fest, dass die Lichtquelle selbst und nicht ihr Widerschein als plastischer Werkstoff angesehen werden muß, und beginnt nach dem Vorbild von Dan Flavin, Neonröhren in sein Werk einzuflechten. Die junge Salzburger Künstlerin Johanna Binder bezieht sich auf diese Lichtkünstler und löst nun das klassische Ölbild aus dem Kontext der Zweidimensionalität heraus und hin zur Lichtinstallation um gleichzeitig mit Licht die Raumwahrnehmung zu verändern.

Die Fragen der Repräsentation und der Darstellung von Macht im öffentlichen Raum interessieren die kroatische Künstlerin Luiza Margan per se. Für die Serie Public Tales hat sie die Pferdeschwänze (tails) verschiedener Reiterstandbilder österreichischer Herrscher zu Schnurrbärten arrangiert. Die Geschichte der „city moustaches" werden in Form eines Siebdruckes gezeigt mit dem Vermerk der appropriierten Potentaten.

Laut Susan Sontag kann die Fotografie als Fundobjekte, als zufälliger Ausschnitt der Welt, der rastlosen Überfluß- und Wegwerfgesellschaft gesehen werden und gleichzeitig Dinge als etwas erscheinen lassen was sie nicht sind, womit auch ein generelles Merkmal der Aneignung beschrieben wird. Genau hier setzt Marko Zink mit seiner Serie Fleisch an und hinterfragt mit seinen Foto-Collagen wie Thebiggerthebetter den Wirklichkeitsgehalt des dargestellten David Beckham. Vorrangig geht es ihm um das Verhältnis der veränderten Wirklichkeit zur Realität. Bilder diverser Life Style Magazine werden mit seinen eigenen Fotografien kombiniert. Der Mensch, der sich gern ins Zentrum stellt, ist nun nur noch ein Teil des Bildes.

PROGRAMM VIENNA GALLERY WEEKEND 2015

Freitag, 29.5. 17 - 18.30 Uhr
Vorträgen und Diskussionen zu den verschiedenen Methoden des Zitierens und der Aneignung in der bildenden Kunst
Dr. Christoph Zuschlag/ Kunstgeschichte und Kunstvermittlung
Dr. Judith Elisabeth Weiss/Kunstgeschichte | Phänomen der Kopie in der Gegenwartskunst
Dr. Philip M. Jakober/ Urheberrechtsanwalt, Musiker
Moderation: Manisha Jothady/Kunstkritikerin
WO: Bildraum 07, Burggasse 7-9, 1070 Wien

Samstag, 30.5. 14-15.30 Uhr
Round Table: Performance im Spannungsfeld – Perzeption und DokumentationDr. Eva Badura-Triska /Kuratorin mumok
Dr. Guido Isekenmeier/englische Philologie, Computerlinguistik, Informatik
Mag. Günter Schönberger/Geschäftsführer von Bildrecht Österreich
Mag. Bernhard Cella/Künstler, Kurator
WO: Galerie Michaela Stock, Schleifmühlgasse 18, 1040 Wien

Samstag, 30.5. 17-19 Uhr
APPROPRIATION Cocktail, Galerie Michaela Stock


APPROPRIATION | INTERPIKTORALITÄT | PART 2 | Pressetext
APPROPRIATION | INTERPIKTORALITÄT | PART 2 | Pressefoto 1 | Man Ray, Transatlantic, 1920/1972, analoge Fotografie/Barytabzug, signiert, Atelier Man Ray
APPROPRIATION | INTERPIKTORALITÄT | PART 2 | Pressefoto 2 | Milija Pavićević, Velazques-Malevich,1985, Collage, Mischtechnik
APPROPRIATION | INTERPIKTORALITÄT | PART 2 | Pressefoto 3 | Viktors Svikis, The Trap, 2015, Kohle auf Papier, kaschiert auf Baumwollgewebe

 

 

Go to top