Schleifmühlgasse 18 - 1040 Wien
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22.3.2012
VIKTORS SVIKIS | REALITÄTSPRINZIP
Malerei
23.3. - 5.5.2012
WO: Galerie Michaela Stock, Schleifmühlgasse 18, 1040 Wien

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Viktors Svikis' Malerei eröffnet sur-real verschobene Welten; dabei zeigen sie kein Über-Reales an, sondern verschiedene Realitäten in der angeblich kohärenten Einheit der Welt. Die kleinen zweidimensional angelegten Quadrate oder Kreise auf der Leinwand können einerseits als Kommentar zum Bildgeschehen gelesen werden. Andererseits - wir haben den angeleinten Hund gesehen, den Hai, das Strichmännchen und es gibt noch viele mehr zu entdecken – kann man im Zeitalter von Computer und Smartphone nicht umhin, sie als Öffnungen zu einer erweiterten Realität zu lesen: Als Apps, die bei Aktivierung in eine neue virtuelle Welt und Funktion entführen. Die Möglichkeit virtuelle Räume zu betreten, verschachtelt in unserer Wahrnehmung verschiedene Realitätsgrade. Surrealen Prinzipien, welche ursprünglich gespeist aus dem Un- oder Unterbewussten ihre Neuheit und verstörende Ästhetik bezogen, sind durch Technik zur normalen Weltwahrnehmung geworden.

(...) Ein Werk der Serie Streetview verdeutlicht dies auf mehreren Ebenen: Technisch sind hier Zeichnung, Acrylmalerei und Ölmalerei miteinander verbunden und dringen jeweils in den Bereich der anderen ein. Inhaltlich zeigt das Werk einen Platz in Wien. Eingefügt in diese Ansicht ist ein Stuhl aus der Küche des Malers: Durch unsere Netzverbindung sind wir in der Lage, von unserem jeweiligen Platz an (fast) jeden beliebigen Ort der Welt zu gelangen, ohne auch nur einen Schritt tun zu müssen. Virtueller Raum und natürliche Umgebung überlagern sich dabei. Was vor wenigen Jahrzehnten surreal wirkte, ist heute Alltagswahrnehmung.
Eine kritische Überlegung zu diesem Phänomen müsste sich damit auseinandersetzten, wie sich Wahrnehmung dadurch insgesamt verändert: Was wird als Realität gesehen, welches Gewicht haben die verschiedenen "natürlichen" und virtuellen Räume? Ist klare Unterscheidung noch möglich oder wird die Welt langsam zum Bild, zum Bildschirm, auf dem Informationen beliebig aufgerufen werden können und wo absolute Mobilität und Transparenz herrschen?

(...) Während Viktors Svikis an seinen Großformaten über mehrere Monate arbeiten kann, entstehen seine kleinformatigen Zeichnungen eher als spontane Reaktionen auf Gefühltes oder Gesehenes. Zumeist frei auf dem Blattgrund schwebend werden die Figuren und Situationen zu Ausdrucksträgern starker Emotion. Die Frage, was diese Menschen beschäftigt, wird dem Betrachter allerdings nicht narrativ erschlossen; wir finden hier keine szenischen Entwicklungen, sondern gebannte Augenblicke menschlicher Existenz(...) Bei Viktors Svikis Malerei allerdings werden die spezifischen Medien - ob Leinwand oder Papier, Kohle, Graphit oder Öl – (bewusst?) eingesetzt, um verschiedene Realitätsgrade und Handlungsebenen, bzw. Narrationsstränge miteinander zu verbinden und gleichzeitig voneinander abzusetzen. Das bachtinische Prinzip einer Pholyphie, einer Mehrstimmigkeit im Roman, ist hier malerisch und zeichnerisch souverän in dramatisierter Bildsprache zu sehen.

Mag. Angela Akbari, Textauszug aus dem Ausstellungskatalog von Viktors Svikis "Run now", 2011, Galerie Michaela Stock

Viktors Svikis

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