Schleifmühlgasse 18 - 1040 Wien
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15.9.2011
URI DOTAN, HANS KOTTER, MARKO ZINK | STORIES FOR REFLECTION...
Licht-Installation, Video, analoge Fotografie
16.9. - 29.10.2011
WO: Galerie Michaela Stock, Schleifmühlgasse 18, 1040 Wien

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Galerie Michaela Stock zeigt Geschichten zum Nachdenken:
stories for reflection... sind Konstruktionen der Wirklichkeit – sie versuchen gesellschaftliche Strukturen aufzuzeigen, sie zu durchleuchten und ihre Geschichten zu rekonstruieren und zu erzählen.

Die Gruppenausstellung umfasst Werke dreier zeitgenössischer Künstler und zeigt sowohl einen sehr spezifischen als auch einen künstlerisch unterschiedlichen Umgang mit dem Thema. Es wird die Videoarbeit „displacement" von Uri Dotan, die Lichtinstallation „Tube" von Hans Kotter und die analoge Fotoserie „Kornhäusl" von Marko Zink gezeigt.

Uri Dotan

Der in Jerusalem geborene, derzeit in New York arbeitende Künstler Uri Dotan, transferiert seine digitalen Bilder auf Leinwände. Seine Bilderwelt zeigt keine Spuren von menschlichen Eingriff.... welche zum größten Teil aus Videostills einer Überwachungskamera stammt, die er am Fenster seines Ateliers installiert hat. (aus, Sarah Valdez: Unpainterly Painting: One Artist's Darkly Beautiful Imagery. Uri Dotan's Blood-like Stains and Milky Blobs. In: The Jewish Daily Forward, June 06, 2003.)

„displacement" ist eine Komposition, die sich aus konstanten Veränderungen zusammensetzt, in Reflexion eines in Regentropfen getauchten Gebäudes. Diese Widerspiegelung des soliden Gebäudes zerschmilzt zu einem flüssigen Bild und wandelt sich im Loop wieder zu festem Mauerwerk. Die Spiegelung des Hauses baut sich immer wieder auf. Der Wassertropfen, der fällt, trägt die Reflexion des Gebäudes mit sich. Jedoch: Wir sehen weiterhin einzigartige Bilder. Die Schwerkraft ist der Hauptfaktor in dem sich ständig ändernden Kunstwerk. Das Video ist objektiv, reine Aufnahme; es gibt keinen Eingriff – eine Einstellung, eine Kameraposition und keinen Schnitt oder Effekte.

„Die einzige Konstante ist Veränderung, andauernde Veränderung, unvermeidbare Veränderung ist der dominierende Faktor in der heutigen Gesellschaft. Keine vernünftige Entscheidung ist länger möglich, ohne dass man die Welt wie sie ist und wie sie sein wird in die Rechnung inkludiert." (Isaac Asimov)

Hans Kotter

Hans Kotter spielt mit der Sehnsucht nach der Perfektionierung und Berechnung unserer Umgebung und unseres Lebens selbst. Der Reinheit und Reduktion von Material, Farbe und Form, die dem Betrachter kühl und dennoch anziehend erscheinen, steht inhaltlich ein komplexes und tiefgehendes Anliegen gegenüber. Fast scheint es, als ob der Künstler dem Wittgensteinschen Anspruch folgt, alle fassbaren Dinge und Aussagen in Formeln bzw. Formen zu fassen und berechenbar zu machen – nur um letztendlich klarzustellen und darauf zu verweisen, was außerhalb dieses Schemas und damit unfassbar bleibt: die fühlende Seele, in der das Wissen um die von sich aus perfekte Natur und die Schönheit des Prinzip „Leben" verankert ist.

Sowohl die Verarbeitung und Präsentation des freistehenden Lichtobjektes "Tube" überlässt nichts dem Zufall. Jedes Detail ist genauestens gestaltet und positioniert, was den Betrachter dazu veranlasst, sich zu nähern, genau hinzuschauen und sich auf die Suche nach den Funktionen und Gründen des ästhetischen Genusses zu machen. Die Schönheit von Materialität, Farbe und Leuchtkraft wird in dieser Arbeit zum Selbstzweck erhoben und weckt vielerlei Erwartungen im Betrachter, die jedoch im Gegensatz zum designten Konsumgut hier in keinerlei Weise erfüllt wird, da sie jeder Funktion enthoben ist. (aus, Bernd Reiß: The very best...Die Berechnung und Bedeutung der Schönheit. In: "replaced", Werkkatalog, Galerie Michaela Stock, 2009.)

Marko Zink

Mauern, von denen die Farbe bröckelt, Böden mit Schmutz und Vogelfedern überzogen, offene Türen, die den Blick des Betrachters auf zwei nackte Füße leiten – die beinahe leeren Räume der ehemaligen Villa Kornhäusl im Wiener Bezirk Ottakring, die Marko Zink in seiner gleichnamigen Bildserie „Kornhäusl" (2004) fotografiert, sind offensichtlich seit langem unbewohnt. Nur die vom Fotografen vor Ort vorgefundenen und verrottenden Gegenstände sind Spuren ihrer ursprünglichen Bewohner. Zeitungen, ein Kinderkreisel oder ein aus der Wand gebrochenes Waschbecken suggerieren eine verlassene und vom Verschwinden bedrohte Architektur, die tatsächlich zwei Tage nach der Aufnahme dieser Fotografien dem Erdboden gleichgemacht wurde.

Zinks Fotos widmen sich nicht einer „objektiven" Bestandsaufnahme der Räume, vielmehr wird der Raum vor dem Objektiv dem subjektiven Blick des Fotografen unterworfen, wodurch ein fotografischer Raum konstruiert wird, der sich vorwiegend durch die Darstellung der Böden und ansatzweise dargestellten Blicke durch offene Türen konstituiert. Diese Böden nutzt Zink als Bühne, auf denen er eine männliche Person verfallene Zimmer durchschreiten lässt. Wer diese Person tatsächlich ist, lässt der Fotograf im Unklaren, der (Männer)Körper wird fragmentiert dargestellt. Die beiden Füße - so evoziert ihre Wiedergabe an den Bildrändern - sind im Begriff, den Bildraum zu verlassen und im „Off"-Raum, sprich im Raum außerhalb der Fotografie, zu verschwinden. Der Akteur der Bilder ist somit präsent und absent zugleich. (aus, Walter Moser: Spurensuche. In: blinde flecken, Werkkatalog, Luftschacht, 2010.)

Uri Dotan
Hans Kotter
Marko Zink

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