Schleifmühlgasse 18 - 1040 Wien
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4.11.2010
MARKO ZINK | TRAGÖDIEN
im Rahmen von EYES ON - MONAT DER FOTOGRAFIE
5.11.2010 - 8.1.2011WO: Galerie Michaela Stock, Schleifmühlgasse 18, 1040 Wien

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analoge Panoramafotografie, begleitet von einem Exklusivtext Elfriede Jelineks als Tonspur

TRAGÖDIEN
15 vor der Belichtung mechanisch und chemisch bearbeitete, analoge Panoramafotografien, begleitet von einem Text Elfriede Jelineks, der während der Präsentation auch als Tonspur, von Jelinek selbst gesprochen, aus dem Off ertönt

„Es mangelt an vielem, es fehlt vielleicht an allem, aber nicht an Aufmerksamkeit. Wir betonen sie sogar. Wir schauen in den Wald hinein, und es hallt etwas zurück, das wir nicht sind, das wir aber als uns hätten erkennen können. In großer Bedürftigkeit verbergen sich die Körper hinter den Bäumen, aber die Körper sind irgendwie anders, sie sind anders als die vorherigen, die man aber auch nicht wirklich hatte. Sind das Tiere? Nein, das sind wire, aber mit Einsprengsel von Tiere. Tiere ohne Machtphantasien, welche nur Menschen haben. Tiere fressen einfach, auch ihre Gegner, wenn nötig. Tiere ermessen ihre Größe nicht, wenn sie sich durchs Unterholz zwängen, ob ohne Zwang oder mit Zwang, etwa weil jemand hinter ihnen herrennt und sie jagt, um sie danach zu besitzen und über sie zu entscheiden, wenn sie nicht mehr rennen können. Sie entscheiden sich daher oft zur Flucht, wozu sollten sie sich sonst entscheiden?, ja, auch zum Angriff, weil sie Hunger haben oder ihres Nächsten Weib begehren, eine nette Hirschkuh zum Beispiel."
(aus dem Essay „Im Wald" von Elfriede Jelinek. Exklusiv zu Marko Zinks Fotoserie „Tragödien: Im Wald")

Man stelle sich vor, die Evolution würde sich nicht nur langsam sondern auch sprunghaft entwickeln, hieße, es entstünden groteske, kurzlebige Spezies.

Man stelle sich vor, eine Atombombe fiele vom Himmel, die Menschheit sterbe aus, Reste ihrer Existenz überdauerten – und es entstünden neue Wesen, halb Mensch halb Tier – und der tierische Instinkt überwiege den menschlichen.

Es laufen „Halb-Mensch" - „Halb-Ziege" über einen Schotterweg, undeutlich zu erkennen, aber doch. Eine Eule sitzt in dem mit Staub überzogenen Wald – doch auch sie ist eben nur halb ein Tier. Spuren einer ehemaligen Zivilisation können auf den langen, analog entstandenen Panoramafotos erkannt werden – ein Verweis, da war mal was, doch das, was war, ist weg.

Es sind „tragödien", die Figuren auf den Fotos wirken wie Statuen. Die Farben der Fotos weisen eine Chromatik auf, etwas Verstaubtes, so als ob die Explosion einer Bombe oder die Spuren eines Weltuntergangs noch zu sehen wäre. An ihnen haftet etwas Unwirkliches und Unheimliches, gleichzeitig ist die Ironie, die auf Friedrich Dürrenmatts tragischer Komödientheorie fußt, in den Arbeiten nicht zu dementieren:

„Zink spielt mit einem Weltuntergangsszenario und zelebriert mittels Zwitterwesen und vegetabilen Mehrdeutigkeiten eine Zeitlosigkeit, die in vielen seiner Arbeiten zu finden sind; ebenso wie die leise Ironie, dieses Augenzwinkern, das einen bei näherer Betrachtung erst überrascht und dann in die Tiefe der Bilder lotst. (aus dem Essay „Wächterbäume und Wasserträume an den Grenzen zur Malerei von Ursula Philadelphy. In : EIKON, Internationale Zeitschrift für Photographie und Medienkunst, Heft 65)

Marko Zink

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