Schleifmühlgasse 18 - 1040 Wien
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15.1.2009
PATRICK BAUMÜLLER | OHNE MARIE GEHT AUCH HIER NICHTS!
16.1. - 7.3.2009
WO: Galerie Michaela Stock, Schleifmühlgasse 18, 1040 Wien

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Patrick Baumüller begibt sich auf Spurensuche in eine Welt der Verstrickungen. Der Mensch mit seinen Wünschen, Hoffnungen, aber auch Schwächen und Fehlbesetzungen in einem zunehmend unpersönlichen Lebensumfeld, rückt ins Zentrum seiner Aufmerksamkeit. Immer wieder gerne an der Grenze zwischen Kunst, Kommerz und Politik entlangschrammend (siehe Projekte wie z.B. Die Wursthaberer, W.E.T.O., Rothkrebschen Mäzenbier, Speakers´ Corner), scannt Baumüller die Oberflächen unserer Gesellschaft ab und überträgt seine Wahrnehmungen in verblüffend einfacher und spannender Weise in den Kunstkontext und Ausstellungsraum. Dort angelangt und feilgeboten, kann der Besucher wie bei einer öffentlichen archäologischen Ausgrabung dem Künstler über die Schulter schauen und verstrickt sich selbst in, an die Oberfläche geholten Erinnerungen, verdrängten Begebenheiten und flüchtig aufgenommenen Ungereimtheiten im humanen Beziehungsgeflecht.

Der bei einem TV-Talk aus dem Fernsehen aufgeschnappte Spruch: "Ohne Marie geht auch hier nichts!" wird in dieser Ausstellung unterschiedlicher Interpretationen unterzogen. Es regiert keineswegs ein überstrapazierter Pathos, noch ein moral-missionarischer Auftrag, sondern die Euphorie u.A. mit Techniken aus dem „alltäglichen Werken und Handarbeiten" zu jonglieren, sowie gefundene Versatzstücke aus dem Taumel der Verbrauchs- und Überflussgesellschaft herauszulösen und den Objekten nochmal ein (kunstgeschichtlich anberaumtes) Leben einzuhauchen.
Im Zentrum der Galerie findet sich ein Dachausschnitt mit Kaminöffnungen. Das Dach beherbergt Wohneinheiten – intimer Rückzugsraum – in denen Bedürfnisse und Leidenschaften in ständigem Wechselspiel ihre Bühne finden. Gespräche und Geräusche dringen durch den Schlot ins Freie.
Spinnentiere – eine irrationale Horrorvision der westlichen Industrieländer – sind aus dem Gebälk ans Licht gekommen und lauschen dem Ausstellungsbetrieb.

Ein Fadenbild versucht die Leerstelle menschlicher Reichtumsbestrebungen darzustellen – es gelingt nur den Umriss des Luxusartikels nachzuformen.
Der Oberflächlichkeit des Glückspielbetriebs wird in Form einer fast identischen Kopie eines Gambling-Rooms ein "Schandmal" gesetzt: Als Bild nachempfunden, kommt die auswechselbare "Grenz-Architektur" vielerorts installierter Spielhölleneingänge jedoch ganz gut weg.
In einer verhängnisvoll nahe angelegten Makrofotografie kommt ein abgeklärter Dornenkaktus zu Wort und zitiert Marie Antoinette: „Ich habe Angst, mich zu langweilen", was in Zukunft als Leitspruch für die konsumorientierte Marktwirtschaft zu verstehen sein wird. – So gesehen geht ohne Marie bald wirklich nichts mehr.

baumueller ohnemarie cover

Patrick Baumüller

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