Schleifmühlgasse 18 - 1040 Wien
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10.9.2009
HANS KOTTER | REPLACED
11.9. - 4.11.2009
WO: Galerie Michael Stock, Schleifmühlgasse 18, 1040 Wien

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replaced

Das optische Phänomen des Simultankontrastes wurde bereits im 19. Jahrhundert von dem Chemiker Michel Eugène Chevreul erforscht (Michel Eugène Chevreul, De la loi du contraste simultané des couleurset de l'assortiment des objects colories, Strasbourg-Paris 1839). Seine Erkenntnisse übten großen Einfluss auf die Malerei der Moderne aus, und später zählte der Bauhaus-Lehrer Johannes Itten dieses Phänomen zu den „Sieben Farbkontrasten" (Johannes Itten, Kunst der Farbe, Ravensburg 1961). In Hans Kotters Licht-Installation „replaced" spielt diese Erscheinung ebenfalls eine entscheidende Rolle.

Die Wiener Galerie Michaela Stock und die Londoner Galerie Patrick Heide Contemporary zeigen zeitgleich Arbeiten aus dieser neuen Werkgruppe.
Hans Kotter verwendet für „replaced" im Wesentlichen die Farben weiß, violett und blau. Der Simultankontrast ist unter anderem dafür verantwortlich, dass die Farbwahrnehmung vor unterschiedlichem Hintergrund jeweils differiert, auch vor weißem Hintergrund – besonders im Fall von ungemischten Farben. Die Installation besteht aus drei Elementen, die aufeinander abgestimmt sind und miteinander in einen Dialog treten: Ein Objekt, auf dem zwei Reihen Leuchtstoffröhren montiert sind und die in einem fein austarierten, computergesteuerten System unterschiedlich aufleuchten („replaced I"). Den Leuchtstoffröhren gegenüber hängt – oder besser: schwebt – eine dunkelviolette Aluminiumplatte vor einer in pink gehaltenen Nische („replaced II"). Dahinter verbirgt sich ebenfalls eine Lichtquelle. Diese beiden Objekte werden ergänzt durch einige Holzkisten mit gebogenen Leuchtröhren, die teilweise hinter Strukturplexiglas montiert sind. Eine davon erscheint fast orange, andere tendieren eher in Richtung Pink – tatsächlich handelt es sich immer um dieselben Farben. Sie erscheinen jedoch vor dem jeweiligen Hintergrund – eben aufgrund des Simultankontrastes – immer anders („replaced III").
Die Installation als solche ist in permanentem Wandel begriffen: Je nachdem, welche Leuchtröhren gerade aufleuchten, changiert der Raum ständig zwischen den Polen rot und blau. Damit verändert sich jedoch nicht nur die Farbstimmung im Raum an sich, sondern auch die beiden weiteren Elemente: Die drei Teile von „replaced" treten nicht nur räumlich, sondern auch farblich und über die Lichtsituation in Kommunikation; sie bilden damit ein eng miteinander verbundenes Dreieck.

Die skulpturale Erscheinung der Installation, auch das bemerkenswert, ist weniger clean, weniger steril, als dies bei anderen „Lichtkünstlern" wie etwa Olafur Eliasson oder James Turrell der Fall ist. Kotter hat bereits gebrauchte oder aufgefundene Teile verwendet; dementsprechend lässt sich die Arbeit auch als Anspielung auf die bildhauerischen Aspekte der Lichtkunst verstehen.
„Replaced" stellt unser Farbempfinden auf die Probe – ist aber freilich weit mehr als eine bloße Illustration von Farbtheorien: Die Installation demonstriert uns die Relativität unserer Wahrnehmung, versetzt uns aber auch mittels ihrer unterschiedlichen Lichtsituationen in jeweils unterschiedliche Stimmungen. Darin liegt ihr Faszinosum. (Nina Schedelmayer, 2009)

Katalogpräsentation: Freitag, 9.Oktober von 18 bis 20 Uhr

Gleichzeitig präsentiert Hans Kotter in der Londoner Galerie Patrick Contemporary Art Heide weitere Arbeiten zu der Serie "replaced"

Patrick Heide | Ausstellung Hans Kotter 2009
Hans Kotter
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