Schleifmühlgasse 18 - 1040 Wien
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11.9.2008
MARKO ZINK | ES IST SO
kuratiert von Andrea Domesle und Matthias Herrmannanaloge Fotografie
12.9. - 1.11.2008
WO: Galerie Michaela Stock, Schleifmühlgasse 18, 1040 Wien

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Es ist so

Marko Zink steht in der Tradition der inszenierten Fotografie. Die Inszenierung fällt jedoch erst im zweiten Blick auf, der erste Blick könnte zum falschen Rückschluss führen, dass es sich um Dokumentarfotografie handeln würde. Der Ausstellungstitel „Es ist so" spielt mit diesem Bezug und verweist gleichzeitig in der Behauptung auf die mittlerweile schon gewohnte kritische Hinterfragung des Mediums. Dies gilt auch wie im Fall von Marko Zinks Arbeiten, für die analoge Fotografie. Der Künstler eröffnet damit einen doppelten Boden der Wahrnehmung, der Raum lässt für beides: für ein Stück Realität und ein Stück Phantasie.

Anlässlich seiner ersten Einzelausstellung im September 2008 in der Galerie Michaela Stock werden Bilder der drei Serien „schwimmer", „Wald2" und „Im Wald" kombiniert. (An allen drei Serien arbeitet Marko Zink seit 2004.)

Auf jedem der elf Farbfotografien der Serie „schwimmer" ist ein anderes Kleidungsstück zu sehen, wie es unter Wasser schwebt – leicht, schwerelos und zeitlos. Diese Zeitlosigkeit ist durch die Einbettung im Wasser erreicht, denn der Stil und die Labels lassen beispielsweise das T-Shirt, die Pullis, die Kappe und die Hosen als derzeit in Warenhäusern erhältliche Massenware erkennen. Andere Kleindungsstücke wiederum lassen keine Rückschlüsse auf ihre Herkunft, aber auf eine mögliche Geschichte zu. Was alle jedoch gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass sie Charaktereigenschaften besitzen. Diese gewinnen sie im Dahintreiben. Die Dynamik des Wassers schafft sozusagen die Form der Kleider, die mal an einen Fisch, gar an einen Rochen, mal an eine Qualle, mal an eine Meerjungfrau erinnert. Die Kleidung bekommt animalische Wesenseigenschaften förmlich auf den Leib zugeschnitten und durch diese Verlebendigung somit einen Charakter, gar eine Persönlichkeit.

Einen stark optischen Kontrast zur Serie „schwimmer" stellen die Serien „Wald2" und „Im Wald" dar. Marko Zink betont durch seine Aufnahmeweise – das Filmmaterial wurde von ihm zuvor sowohl mechanisch als auch chemisch bearbeitet – und den gewählten Bildausschnitt die strenge vertikale Reihung der Baumstämme und deren spröde Strukturen. Das Thema „Wald" hat Marko Zink auf die Stumpfheit und Aggressivität der Baumrümpfe, die hier fast zu einer undurchdringlichen, harten Wand verschmelzen und wie Soldaten angeordnet sind, reduziert – fern von Einsamkeitsidylle. Menschliche Spuren sucht man scheinbar vergeblich; sie können aber wie auf einem Suchbild in Form eines Jägerstandes entdeckt werden. „Wald Zwei" greift damit auf einen alten romantischen Topos zurück und präsentiert sich als unzugänglich für den Menschen.

Anders in der Serie „Im Wald": Hier tauchen zwischen den Stämmen Körperfragmente auf. Diese verschmelzen im Bild jedoch mit den Bäumen und scheinen mehr diesen, Pilzen oder Wucherungen gleich, zugehörig zu sein als dem Menschen. So, als ob es nie anders gewesen wäre.

Gerade in der Gegenüberstellung dieser drei Serien wird deutlich, dass durch die Aufnahmetechnik und den Blickwinkel die Motive bzw. das Bildpersonal eine Eigendynamik entwickeln. Dies trägt wesentlich zur ganz speziellen Qualität der Fotografien bei und lässt die Handschrift von Marko Zink erkennen. Der Künstler macht den gewählten Wirklichkeitsausschnitt mit der Kamera zur Theaterbühne, auf der sowohl der Mensch seinen als auch paradoxerweise Gegenstände ihren Auftritt entwerfen können. Seine Fotografien spiegeln ganz im romantischen Sinn Sehnsuchtsräume. Dort, wo menschliche Akteure mitspielen, sind diese mit Humor verbunden: Denn der Mensch, der sich gerne ins Zentrum stellt, wird zum Wurmfortsatz der Natur degradiert. „Es ist so" sollte auch daher mit etwas Ironie gelesen werden. (Dr. Andrea Domesle, 2008)

Katalog Zink SOISTES katalogcover

Marko Zink


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