Schleifmühlgasse 18 - 1040 Wien
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17.1.2008
SABINE GROSCHUP | AUSGEZOGEN
Video, Textile Objekte, Malerei, Fotografie
18.1. - 23.2.2008
WO: Galerie Michaela Stock, Schleifmühlgasse 18, 1040 Wien

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Sabine Groschup: „Durch meine Arbeit an einem Frotteemantel, bei dem ich jeden einzelnen Faden aus dem Stoff zog, kam ich auf den Titel „ausgezogen". Viele Stunden verbrachte ich damit den Mantel ‚auszuziehen'. Beim weiteren Nachsinnen über den Begriff ‚ausgezogen', schossen mir die vielen verschiedenen Bedeutungen dieses Wortes durch den Kopf. Als erstes natürlich ausgezogen im Sinne von entkleidet, sie hat sich ausgezogen; oder sie ist ausgezogen, aber um die Welt zu retten; das Stativ ist ausgezogen; ich bin aus der Wohnung ausgezogen; in der Kirche ist man ausgezogen; oder eben die ausgezogenen Fäden aus einem Textil."

Die Lassnig-Schülerin Sabine Groschup zeigt in ihrer Personale in der Galerie Michaela Stock Arbeiten, die den Begriff ‚ausgezogen' in seinen verschiedenen Bedeutungen thematisieren. Eine Videoinstallation, Textile Objekte, Malerei und Fotografien beziehen sich dabei inhaltlich direkt auf den Ausstellungstitel oder sie umkreisen ihn.

So zeigt das halbstündige Video der Installation „seethesea" in jeweils einminütigen Sequenzen Badende an der Ostsee. „Es war dort immer normal „ausgezogen" zu baden. Das Ausmaß ist durch einen stärker westlich orientierten Tourismus zwar verändert, aber nach wie vor gibt es das traditionelle Nacktbaden in seiner Selbstverständlichkeit." Der Film, ein Beitrag zur 5. Kunstbiennale in Armenien, wird in ein dunkles Wasserbecken mit darin liegenden Steinen projiziert und ist so nur fragmentarisch erlebbar.

Daneben werden Textilien aus dem Badbereich gezeigt: Bade- und Morgenmäntel, Handtücher, Waschlappen. Sabine Groschup: „Jeder kennt das: aus Handtüchern und aus dem Mantel hängen Fäden heraus." Die Künstlerin stellte sich die Frage, was steckt hinter den Fäden? Und so ‚zog' sie die alten Frotteestücke, die sie von Freunden bekam, in langwieriger Handarbeit Faden für Faden aus.

Und dann das Nackte in der Kunst. Schon immer irritiert von der unterschiedlichen Darstellung der beiden Geschlechter in Édouart Manets „Frühstück im Freien" von 1863 – „die Frauen sind ausgezogen, die Männer sind, beinahe ‚winterlich' gekleidet, angezogen; ist es jetzt heiß oder eiskalt an diesem Tag?" – dreht Sabine Groschup den Spieß um und zeigt in ihrem Zyklus neuer Folienbilder die Männer aus- und die Frauen angezogen. In den von der Künstlerin konzipierten und von Georg Weckwerth ausgeführten Fotoarbeiten wiederum sind verschiedenste Formen von verlassenen Orten festgehalten. „Der Mensch oder auch das Tier ist ausgezogen". Die entstandenen Bilder lassen vielfältige Assoziationen zu.

Sabine Groschup

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